Euro-Krise: "Die Hälfte ist geschafft"

Euro-Rettungsfonds-Chef Klaus Regling glaubt, dass im Kampf gegen die Schuldenkrise mehr als die Hälfte des Weges bereits hinter uns liegt.
© dpa, Stephen Morrison

10. Oktober 2012 - 11:48 Uhr

ESM-Chef: "Unsere Krisenstrategie wirkt"

Ein Stück Optimismus in unruhigen Zeiten: Der Chef des dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, hält im Kampf gegen die Schuldenkrise mehr als die Hälfte des Weges für geschafft: "Die Krise ist noch nicht vorbei. Aber wir haben mehr als die Hälfte des Weges bei den nationalen Anpassungslasten geschafft", sagte Regling der 'Rheinischen Post'. Die Divergenzen zwischen den Euro-Staaten bei Haushalts- und Leistungsbilanzdefiziten verringerten sich seit zwei Jahren. Zudem steige die Wettbewerbsfähigkeit in allen südlichen Mitgliedsländern der Euro-Zone.

Der Grund hierfür sei klar: "Unsere Krisenstrategie wirkt. Und zwar besser als weithin wahrgenommen wird", so Regling. Dennoch hält er weitere Einschnitte in den Krisenstaaten für erforderlich. "Meine größte Sorge ist, dass einige Krisenländer nicht die politische Kraft haben, den schmerzhaften, aber wirksamen Reformkurs bis zum Ende durchzuhalten. Das wäre eine Katastrophe."

Entschieden sprach sich Regling gegen weitere Diskussionen über ein mögliches Ausscheiden Athens aus der Euro-Zone aus: "Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre die teuerste aller denkbaren Lösungen.

EZB dämpft griechische Erwartungen

Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission über zusätzliche Einsparungen. Eine Einigung ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche an Hilfsgeldern von 31,5 Milliarden Euro freigegeben wird. EZB-Direktor Jörg Asmussen sieht allerdings keine Möglichkeit, den Wunsch des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach finanziellen Erleichterungen zu erfüllen. "Wir können weder die Laufzeiten für griechische Anleihen verlängern noch die Zinsen senken", sagte das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied der 'Bild am Sonntag'.

Es sei "kein Selbstläufer", dass Griechenland im November die nächste Tranche der vereinbarten Hilfszahlungen erhalte und damit vor der Pleite gerettet werde. "Meine klare Präferenz ist, dass Griechenland im Euro bleibt. Aber der Schlüssel dafür liegt in Athen", sagte Asmussen. "Die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche an Griechenland ist, dass das Haushaltsloch für 2013/2014 geschlossen wird und umfangreiche Strukturreformen durchgeführt werden."

Die 'Troika' mit Vertretern der internationalen Geldgeber hat das neue Sparprogramm Griechenlands von 14,5 Milliarden Euro bisher nicht gebilligt. Die Finanzminister der Eurozone werden bei ihrem Treffen am Montag in Luxemburg von der 'Troika' nur einen Zwischenbericht erhalten - wann die endgültige Version vorliegen wird, ist bisher offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am kommenden Dienstag erstmals seit Beginn der Euro-Krise Griechenland. Sie trifft in Athen den griechischen Regierungschef Antonis Samaras.