Euro-Krise: Buschfeuer oder Flächenbrand?

11. Juni 2012 - 6:47 Uhr

Die Stimmung ist "untergalaktisch schlecht"

Erstmals seit Januar ist der DAX unter 6.000 Punkte gefallen. Diese 6.000-Punkte-Marke bezeichnet man auch als 'psychologisch wichtig'. Deutlicher wird die Lage, wenn man die Zahlen anders betrachtet: 18 Prozent hat der Dax im ersten Quartal zugelegt, der größte Kursgewinn in einem ersten Quartal seit 1998. Um das alles wieder zu verlieren, hat er nur knapp zwei Monate gebraucht.

Euro-Krise Dax
Der Dax rutscht unter 6.000 Punte: Die Stimmung ist "untergalaktisch schlecht".
© dpa, Frank Rumpenhorst

Von Anfang April bis Anfang Juni büßte der Index etwas mehr als 1.000 Punkte ein. Schneller ging es nur bei Absturz im August des letzten Jahres, da schaffte er in nur anderthalb Monaten mehr als 2.000 Punkte.

Deswegen verfällt die Bundesregierung auch nicht in Panik, denn seit der Finanzkrise 2008

habe es immer wieder Phasen eines Aufs und Abs an den Börsen gegeben, so der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, zur aktuellen Lage an den Märkten. Am Nachmittag stabilisierten sich die Kurse auch europaweit wieder. Dennoch: Die Stimmung an den Märkten ist trübe, sie ist "untergalaktisch schlecht", wie ein Händler es zusammenfasst.

Der Blick richtet sich auf Mittwoch und Donnerstag, wenn erst die Europäische Zentralbank (EZB) und dann die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinssätze verkünden. Von der EZB erwarten die Analysten eine Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt. Nur weil man auf diese Maßnahmen hofft, ist die Stimmung noch nicht vollends negativ.

Und nur deswegen ist auch der Euro nicht unter den Kurs von 1,24 Dollar gefallen. Die Talsohle des Euros sehen Experten dennoch noch lange nicht erreicht. In 'Worst-Case-Szenarien' spielen Experten bereits eine Parität (Kursgleichheit) von Dollar und Euro durch.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir kurzfristig die Marke von 1,20 Dollar testen", sagt der Analyst der Hessischen Landesbank, Ralf Umlauf.

"Ich sehe die Parität nur, wenn die Wetten auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone deutlich stärker werden", sagt UniCredit-Analyst Armin Mekelburg zu diesen Gedankenspielen. "Griechenland allein macht den Euro nicht kaputt." Mit Hilfe von Spanien, Portugal, Irland und Italien könnten sie es aber wohl schaffen.

Joschka Fischer: "Das europäische Haus steht in Flammen"

Vor einem solchen 'Worst-Case-Szenario' warnt auch der frühere Außenminister Joschka Fischer. "Das europäische Haus steht in Flammen", schreibt der Grünen-Politiker in einem Gastbeitrag in der 'Süddeutschen Zeitung'. "Europa, angeführt von Deutschland, löscht lieber weiter mit Kerosin statt mit Wasser, und der Brand wird so mit der von (Kanzlerin Angela) Merkel erzwungenen Austeritätspolitik (Sparpolitik) beschleunigt."

Deutschland und Frankreich müssten endlich gemeinsam "das Steuer herumreißen und den Mut zu einer Fiskalunion und politischen Union der Euro-Gruppe aufbringen." Wenn der Euro zerfalle, werde auch die EU mit ihrem gemeinsamen Markt zerfallen "und eine Weltwirtschaftskrise auslösen, wie sie die heute lebenden Generationen noch nicht erlebt haben".

Buschfeuer oder Flächenbrand? Regiert die Angst vor der Eskalation oder eskaliert die Lage bereits? Auf jeden Fall brodelt es stetig vor sich hin. In Griechenland herrscht angespannte Ruhe. Niemand erwartet dort etwas Entscheidendes bis zum Wahlabend am 17. Juni. Von dem Abend allerdings erwartet man die Entscheidung über einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone.

Rätsel gibt Spanien auf. Kriegt das Land seine Bankenkrise in den Griff oder muss es als nächstes Land nach Irland und Portugal unter den europäischen Rettungsschirm EFSF, wie es Deutschland – so berichtete der 'Spiegel' – angeblich bereits fordert? Noch wird widersprochen. "Es ist alleine Sache einer nationalen Regierung zu entscheiden, ob sie Hilfe aus dem Rettungsschirm in Anspruch nimmt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die spanische Regierung brauche keine Ratschläge von Deutschland. Andererseits hat Deutschland in den letzten Monaten der Krise mit Vorschlägen für andere nicht gegeizt.

Die Euro-Zone insgesamt ist das größte Sorgenkind der Weltwirtschaft. Ihr Fortbestand wird vor allem wegen genannter Krisenländer infrage gestellt. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie nie zuvor. 17,4 Millionen Menschen sind derzeit ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von elf Prozent entspricht.

Wie geht es also weiter? Mittelfristig, so die Experten, wird die Kursentwicklung des Euro stark von den politischen Entscheidungen in der Euro-Zone abhängen. Die wiederum hängen von den Entwicklungen in den Krisenstaaten ab. Eine Prognose traut sich niemand zu.