Euro-Krise: Braucht Athen bald noch mehr Geld?

25. August 2012 - 16:40 Uhr

Steuereinnahmen fehlen - Privatisierungen hängen

Die Finanzierungslücke Griechenlands ist möglicherweise noch größer als zuletzt bekannt. Der Regierung des Landes fehlten in den beiden kommenden Jahren nicht 11,5 Milliarden Euro, wie von ihr eingeräumt, sondern bis zu 14 Milliarden Euro, berichtet das Magazin 'Spiegel'. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen.

Euro-Krise: Finanzlücke Griechenlands offenbar noch größer.
Die Finanzierungslücke Griechenlands ist möglicherweise noch größer als zuletzt bekannt.
© dpa, Jens Büttner

Ursache für die neuen Finanznöte seien Rückschläge bei geplanten Privatisierungen und die wegen der schlechteren Wirtschaftslage ausbleibenden Steuereinnahmen, heißt es in dem Bericht. Die genaue Höhe des zusätzlichen Finanzbedarfs solle Anfang September ermittelt werden, wenn die Troika zu ihrem nächsten Besuch nach Griechenland kommt.

Die Delegation moniert dem Bricht zufolge in ihrem Zwischenbericht auch, dass die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras schon bislang nicht erklären konnte, wie sie die Einsparungen von 11,5 Milliarden Euro erreichen wolle. Rund ein Drittel sei ungedeckt.

In Griechenland selbst glaubt man offenbar aber an eine Besserung bei einem zeitlichen Aufschub der Sparvorgaben. Die das fünfte Jahr in Folge in der Rezession steckende Wirtschaft könnte nach Berechungen der Regierung schon 2014 wieder wachsen, sollte das Land wie gefordert zwei Jahre mehr Zeit zum Erreichen der Defizitziele erhalten, schrieb das Blatt 'Imerisia' unter Berufung auf nicht genannte Vertreter des Finanzministeriums.

Schäuble gegen neues Hilfspaket

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt derweil ein neues Hilfsprogramm für Griechenland zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. "Wir können nicht schon wieder ein neues Programm machen", sagte er. Es gebe Grenzen.

Das Ziel für Hilfen müsse eine stabile Währung sein. Schäuble warb zugleich um Verständnis für die Situation der Griechen. Diese könnten ihre Währung nicht einfach abwerten, wie dies vor Jahren die Türkei gemacht habe, da es sich um eine gemeinsame Währung handele.

Vor dem Besuch des griechischen Regierungschefs Antonis Samaras am kommenden Freitag in Berlin lehnt Außenminister Guido Westerwelle (FDP) substanzielle Zugeständnisse an die Regierung in Athen ab. Eine Aufweichung der vereinbarten Reformen komme "in der Substanz" nicht in Betracht, sagte er dem 'Tagesspiegel am Sonntag'. Dies würde von anderen Ländern wie Spanien missverstanden werden.

Auf EU-Ebene glaubt man fest an einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sieht keinerlei Grund für Gedankenspiele über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Eine Vorbereitung einiger Banken und Versicherungen auf ein solches Szenario sei nicht notwendig, sagte er der 'Tiroler Tageszeitung'.