Euro-Krise: "Alle Augen sind auf Deutschland gerichtet"

14. Juni 2012 - 9:50 Uhr

Merkel: "Wir stehen am Scheideweg"

Die angekündigten Hilfen für Spanien beeindrucken die sogenannten Märkte nicht wirklich, im Gegenteil: Die Rating-Agentur Fitch stuft 18 spanische Banken herab. Dabei sollen die das Geld doch bekommen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in Berlin eindringlich für Vertrauen in Europa und den Euro. "Wir stehen am Scheideweg", mahnte Merkel.
© REUTERS, TOBIAS SCHWARZ

An anderer Stelle sorgen die Hilfen für Unruhe, und zwar ausgerechnet in der Gemeinschaft selbst. Spanien wird für die Hilfe bei der Banken-Rettung kein so hartes Sparprogramm auferlegt wie Griechenland. Das sorgt dort kurz vor der Wahl am Sonntag für Unruhe, Athen will das eigene Milliarden-Hilfspaket jetzt nachverhandeln.

Trotz aller Hiobsbotschaften: Der neue Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain prophezeit Europa eine Überwindung der Finanzkrise ohne Schaden, wenn es jetzt zusammensteht. "Kein europäisches Land kann sich allein gegen die USA oder China behaupten. Um erfolgreich zu sein, müssen wir noch enger zusammenwachsen", sagte er. Alle Augen seien nun auf die Bundesrepublik gerichtet, so Jain.

Die größte Herausforderung der Bankenbranche sie die Widerherstellung des Vertrauens: " Wir müssen unseren Vertrag mit der Gesellschaft erneuern. (...) Einfach gesagt: Die Banken sind in Ungnade gefallen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb eindringlich für Vertrauen in Europa und den Euro. "Wir stehen am Scheideweg", mahnte Merkel. Die Kanzlerin betonte erneut, die Überwindung der Finanzkrise brauche Zeit. "Deshalb wäre es auch in Europa fatal, wenn wir jetzt, wo einige Länder begonnen haben, genau in die richtige Richtung zu arbeiten, das unterbrechen würden und auf halbem Wege stehen bleiben."

Griechische Banken: "Wir verbluten langsam"

Unterdessen heben griechische Sparer vor den Neuwahlen an diesem Sonntag (17. Juni) immer mehr Geld von ihren Konten ab. Nach offiziellen Angaben haben die Bürger seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 rund 80 Milliarden Euro von den Banken abgezogen. "Wir verbluten langsam. Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung", sagte ein hoher Angestellter einer griechischen Privatbank.

Die Wahl am Sonntag gilt als Richtungsentscheidung über den Verbleib des Landes im Euro-Raum. Sollte Griechenland aus dem Euro austreten, könnten die europäischen Nachbarländer gegebenenfalls die Grenzen schließen und Kapitalkontrollen einführen. Das EU-Recht erlaube dies unter bestimmten Umständen, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission. Auch eine Obergrenze für Abhebungen an griechischen Geldautomaten könnte eingeführt werden.

Derweil wird Italien, das als drittgrößte Euro-Volkswirtschaft als entscheidender Dominostein in der Schuldenkrise gilt, erneut zum Unruheherd. Spätestens nachdem Österreichs Finanzministerin Maria Fekter ein Hilfsprogramm für Rom nicht ausschließen wollte, zittert Europa um ein Schwergewicht, das nach einhelliger Expertenmeinung zu groß für den Rettungsschirm wäre.