EURO 2024: Der "D-Day" ist Grindels Schicksalstag

© dpa, Uli Deck, jai

26. September 2018 - 12:39 Uhr

Es bleiben Zweifel

Der "D-Day" (Decision Day) wirft seine Schatten voraus, und im Lager der deutschen EM-Bewerbung geht die Angst um. Die Angst vor der zweiten Blamage binnen weniger Monate. Ohne Frage, Deutschlands Chancen auf die Ausrichtung der EURO 2024 stehen gut. Wirtschaftliche Verlässlichkeit, eine gute Infrastruktur, moderne Stadien, Fußballbegeisterung, der DFB hat einiges im Köcher, das die Verantwortlichen bei der UEFA überzeugen müsste. Vor allem mit Blick auf Mitbewerber Türkei. Und doch, es bleiben Zweifel.

Für die UEFA geht es um die Kohle

Die Abstimmung am 27. September gilt als völlig offen. Mietfreie Arenen, Steuerfreiheit, sprudelnde Werbeeinnahmen. Die Türkei lockt die UEFA mit finanziellen Versprechen. Ein starkes Argument für die Verbandsfunktionäre. UEFA-Boss Alexander Ceferin lässt keine Zweifel daran aufkommen, wo die Prioritäten liegen. "Für die Entwicklung des Fußballs und für die UEFA ist es sehr wichtig, so viel wie möglich mit dem Turnier zu verdienen, um das Geld dann an alle Verbände in Europa zu verteilen." Eine klare Botschaft.

Für Reinhard Grindel, DFB-Präsident und Gesicht der deutschen Bewerbung, ist es ein Schicksalstag, sollte sein "Leuchturmprojekt" scheitern. Und der Mann an der Spitze des größten Sportverbands der Welt wird immer nervöser. Eigentlich war es ein Tabu, die Bewerbung der Türkei von deutscher Seite in ein schlechtes Licht zu rücken. Doch umso näher der "D-Day" rückt, desto undiplomatischer der Ton aus dem deutschen Lager.

DFB kämpft mit allen Mitteln

"Die EM ist eine der ganz entscheidenden Einnahmemöglichkeiten der UEFA. Wir haben natürlich darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Mitbewerber aus der Türkei so ziemlich alles garantieren, was nicht niet- und nagelfest ist", gab Grindel unlängst beim ZDF zu Protokoll. Der DFB kämpft mittlerweile mit allen Mitteln. Es steht viel auf dem Spiel.

Rund drei Monate nach dem WM-Debakel in Russland wäre der EM-K.o. der zweite Nackenschlag für den Verband und seine Protagonisten. Alles würde hinterfragt werden, und jeder. Für Grindel ein Horrorszenario. "Es ist leider normal, dass im Falle eines Misserfolgs wieder Struktur- und Personaldiskussionen geführt werden, auch wenn dies vielleicht nicht immer gerecht ist", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius der "FAZ".

Ein Präsident auf Bewährung

Nicht immer gerecht? Der DFB macht seit Monaten eine schlechte Figur – diplomatisch formuliert. Die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw, das Krisenmanagement in der Causa Mesut Özil, Grindel ist ein Präsident auf Bewährung. Eine gescheiterte EM-Bewerbung wäre wohl das Aus für den Verbandsboss. Der 27. September sei der wichtigste Tag des Jahres, sagte Grindel – vor der WM.