EU will Schockbilder auf Zigarettenschachteln

20. Dezember 2012 - 14:13 Uhr

75 Prozent drastische Warnungen und Bilder geplant

Zigarettenhersteller müssen nach dem Willen der EU-Kommission künftig deutlich drastischer auf die Gesundheitsgefahren durch das Rauchen hinweisen als bislang. So müssten größere Warnungen vor Gesundheitsrisiken auf Zigarettenschachteln gedruckt werden. Mindeststandard in der EU soll sein, dass 75 Prozent der Schachtel mit Warnungen aus Text und Schockbildern von kranken Körperteilen bedeckt sind. Diese Pläne hat Gesundheitskommissar Tonio Borg in Brüssel vorgestellt. Derzeit müssen Warnhinweise auf den beiden großen Seiten nur etwa halb so groß sein, Fotos gibt es noch nicht.

Zigaretten EU Schockbilder Warnungern
So und ähnlich sollen künftig Zigarettenschachteln in der EU aussehen.
© dpa, Department Of Health And Ageing

Borg will zudem Geschmacksstoffe wie Menthol weitgehend verbannen – sie dürften nur noch eingesetzt werden, wenn sie das Tabakaroma nicht verändern. "Die Verbraucher dürfen nicht in die Irre geführt werden", erklärte Borg. "Tabakerzeugnisse müssen wie Tabakerzeugnisse aussehen und schmecken, und dieser Vorschlag stellt sicher, dass ansprechende Verpackungen und Aromen nicht als Marketingstrategie eingesetzt werden."

Der Onkologe Jan Arends von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg sagte, Raucher von Menthol-Zigaretten atmeten tiefer ein und setzten sich dadurch einem höheren Risiko aus. Der prominenteste Vertreter in Deutschland ist Altkanzler Helmut Schmidt.

Maria Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum, warnte, vor allem Kinder und Jugendliche seien die Zielgruppe für Zusatzstoffe in Zigaretten. Dadurch würden die Produkte leichter rauchbar. "Das alles soll verboten werden. Ich denke, das ist eine gute Entscheidung", sagte sie.

Während Markenlogos erlaubt bleiben sollen, will Borg zusätzliche Werbebotschaften auf den Packungen für Zigaretten und losen Tabak zum Selberdrehen verbieten. Bereits jetzt sind Formulierungen wie 'mild' und 'leicht' tabu. Künftig sollen auch Formulierungen wie 'natürlich' oder 'biologisch' verboten sein. Weniger hart will die EU-Kommission bei Pfeifentabak, Zigarren und Zigarillos durchgreifen, da Einsteiger der Brüsseler Behörde zufolge selten zu diesen Produkten greifen. Schockfotos und ein Aromaverbot seien daher unnötig.

Tabakindustrie will vors Gericht ziehen

So weit wie Australien wollte die EU-Kommission aber nicht gehen. Dort dürfen Zigaretten nur noch in Ekel-Packungen verkauft werden. Die einheitlich olivgrünen Schachteln zeigen viel Eiter und faule Zähne und sollen dadurch abschreckend wirken. Australien ist das erste Land mit derart drastischen Vorschriften. Andere Länder wie Neuseeland und Großbritannien ziehen ähnliche Vorschriften in Betracht. Nach dem EU-Entwurf steht es den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union frei, sich Australien zum Vorbild zu nehmen.

Dennoch sieht die Tabakfirma Reemtsma als Ergebnis der Kommissionspläne die "Einheitsverpackung durch die Hintertür", weil durch die 75-Prozent-Vorgabe kaum noch Platz für markenspezifischen Aufdruck bleibe. Reemtsma-Geschäftsführer Marcus Schmidt wertet das als Eingriff in Eigentums- und Markenrechte und als Verstoß gegen deutsches und europäisches Recht. Der freie Wettbewerb werde mit den Füßen getreten. "Wir werden uns gegen diese Vorschläge mit aller Macht wehren und zur Not bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen", sagte Schmidt.

Unterstützung bekommt die Zigarettenbranche vom europäischen Industrieverband Business Europe, der Auswirkungen über die Tabakbranche hinaus befürchtet. Großflächige Gesundheitswarnungen über drei Viertel der Packungsfläche seien überzogen, schrieb Präsident Jürgen Thumann in einem Brief an Kommissionschef José Manuel Barroso. "Solche Maßnahmen wären höchst alarmierend und gehen an die Substanz, was Wert und Ziel des geistigen Eigentums von Firmen angeht - Produkte zu unterscheiden und innerhalb und außerhalb des Binnenmarktes zu konkurrieren."

Jährlich 700.000 Menschen sterben nach Zahlen der EU-Kommission in Europa durch das Rauchen. Die Hälfte der Raucher habe im Schnitt eine 14 Jahre geringere Lebenserwartung als Nichtraucher.

Zigaretten mit Schockbildern wird es in der EU nicht von heute auf morgen geben. Über die Vorschläge der Kommission müssen das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten beraten. Dies dauert in der Regel ein bis zwei Jahre, und wie viel von den Plänen am Ende im Gesetz steht, muss sich erst noch zeigen.