EU-weites Verbot für an Tieren getesteter Kosmetik

12. März 2013 - 7:21 Uhr

Verkaufsstopp für Produkte aus der ganzen Welt

Ob Shampoo, Lippenstift oder Körperlotion: Ab sofort dürfen in Europa keine Kosmetika mehr verkauft werden, die an Tieren getestet wurden. Das Verbot gilt für in Europa hergestellte Mittel genauso wie für Waren aus dem Rest der Welt. Tierversuchsgegner sprechen von einem Meilenstein, doch ganz ohne Tierversuche werden auch in Zukunft nicht alle Kosmetika zu haben sein.

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Ab heute dürfen keine Kosmetika mehr verkauft werden, die an Tieren getestet wurden.

Mit der Änderung der Kosmetik-Richtlinie tritt die letzte Stufe des Verkaufsverbots in Kraft. Es betrifft auch den Import von Kosmetika, die außerhalb der EU im Tierversuch geprüft wurden. Der Bundesverband der Tierversuchsgegner, der 30 Jahre für ein solches Verbot gekämpft hatte, sprach von einem Durchbruch. "Die EU-Kommission hat sich konsequent verhalten und erhöht dadurch den Druck auf Wissenschaft und Kosmetikindustrie, die noch fehlenden Tests zu entwickeln", sagte der Vorsitzende Kurt Simons. EU-Verbraucherkommissar Toni Borg sagte: "Dies ist eine große Chance für Europa, ein Beispiel für verantwortungsvolle Innovation im Bereich der Kosmetika."

Bereits 2003 hatten die EU-Staaten und das Europaparlament beschlossen, Tierversuche für die Körperpflege zu stoppen. Seit 2004 dürfen fertige Kosmetik-Produkte in Europa nicht mehr an Tieren getestet werden, seit 2009 gilt dies auch für einzelne Inhaltsstoffe. Produkte, deren einzelne Bestandteile an Hamstern und anderen Tieren ausprobiert wurden, dürfen seit März 2009 nicht mehr verkauft werden. Die schrittweise Umstellung sollte der Industrie Zeit geben für die Forschung an tierfreien Testmethoden.

90 Prozent der Inhaltsstoffe können weiter an Tieren getestet werden

Allerdings gab es bis jetzt Ausnahmen: Der Verkaufsstopp galt nicht für Produkte, die auf besonders komplizierte Nebenwirkungen getestet wurden - etwa darauf, ob Mittel bei längerer Anwendung schädlich wirken, die Fortpflanzung beeinträchtigen können oder die Haut empfindlicher machen.

Aber auch jetzt ist das Verbot immer noch nicht ganz wasserdicht. Die neue Richtlinie trifft nämlich nur für Stoffe zu, die ausschließlich in Kosmetikprodukten verwendet werden. Für Substanzen, die auch in anderen Bereichen wie beispielsweise Reinigungsmitteln eingesetzt werden, gilt die Testung nach dem Chemikalienrecht, welches Tierversuche zulässt. Das trifft laut des Verbands der Tierversuchsgegner auf rund 90 Prozent der Kosmetikstoffe zu.

Auch Vertreter der Kosmetikindustrie halten Begriffe wie tierversuchsfrei weiterhin für irreführend. "Die Sicherheit praktisch aller Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten beruht auf Daten, die zuvor an Tieren gewonnen wurden", erklärte der europäische Dachverband Cosmetics Europe.

Laut Kommission können alternative Testverfahren Tierversuche noch nicht komplett ersetzen. Die Behörde gab zwischen 2007 und 2011 schon 238 Millionen Euro aus, um Forschungsarbeiten für diese Tests zu fördern. "Die Tests finden in der Regel zwei bis drei Jahre vor der Markteinführung solcher Produkte statt", sagte eine Kommissions-Expertin. Möglicherweise an Tieren getestete und bereits zugelassene Kosmetika würden nicht aus den Regalen verschwinden. Für die Zukunft gelte hingegen für die Produkte das strikte Versuchsverbot der EU.