EU überdenkt Abschaffung von Cent-Münzen – Verbraucherschützer warnen

19. Mai 2013 - 12:17 Uhr

Herstellung kostet mehr als Münzen wert sind

Jeder hat sie im Geldbeutel, aber brauchen wir die Ein- und Zwei-Cent-Münzen wirklich? Die Kosten für die kleinen Kupferstücke sind angesichts der hohen Rohstoffpreise jedenfalls höher als ihr Wert. Daher denkt die EU darüber nach, sie abzuschaffen. Jeder zweite Deutsche würde das einer aktuellen RTL-Forsa-Umfrage zufolge begrüßen - nur 38 Prozent wollen weiterhin mit ihnen bezahlen. Verbraucherschützer warnen: Wenn alle Preise künftig aufgerundet werden, wird alles teurer.

Preiserhöhungen durch Abschaffung von Centmünzen
Die Abschaffung von Cent-Münzen wird laut Verbraucherschützern zu Preiserhöhungen führen.
© Zentralbild, Z6068 Hans Wiedl

"Bevor es zu Entscheidungen kommt, müssten die wirtschaftlichen Auswirkungen etwa auf die Preisentwicklung und der Nutzen für die Verbraucher genauer untersucht werden", sagte der Finanzexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Frank-Christian Pauli. "Es bedarf mehr als eines Bauchgefühls, um entscheiden zu können, ob man diese Münzen abschaffen kann und welche Spielregeln dafür gelten müssten."

Doch die Herstellung der Kupfermünzen kostet mehr als sie wert sind. Seit der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 belaufe sich diese Differenz auf rund 1,4 Milliarden Euro, heißt es von der Brüsseler Behörde. Vier mögliche Szenarien seien denkbar - von einer Beibehaltung der derzeitigen Stückelung bis hin zur Abschaffung der Münzen, schrieb die Kommission in einem am vergangenen Dienstag veröffentlichten Bericht.

Hilfsorganisationen sind auf Cent-Beträge angewiesen

Für ein endgültiges Urteil ist es nach Ansicht des Experten noch zu früh: "In der Diskussion gibt es sowohl Pro als auch Contra: Gegen eine Abschaffung spricht, dass sie eine verdeckte Preiserhöhung zur Folge haben könnte, weil Preise aufgerundet werden", so Pauli. Dafür könnte aus seiner Sicht hingegen angeführt werden, "dass man weniger Kleinstmünzen als Wechselgeld im Portemonnaie sammelt und dass es eine Abkehr von den x,99-Euro-Preisen geben würde". Diese legten nahe, dass eine Ware unter einer bestimmten Preisgrenze liege.

"Einige andere EU-Länder zeigen, dass es auch ohne Kleinstmünzen gehen kann, haben in ihren Währungen schon kleinere Münzwerte abgeschafft oder wie Finnland besagte Ein- und Zwei-Cent-Münzen gar nicht erst richtig in den Umlauf gebracht", erläuterte Pauli.

Wie weitreichend die Folgen einer Abschaffung sein können, zeigt sich Beispiel vieler Hilfsorganisationen. Sie sind auf die Cent-Beträge angewiesen – so klein sie auch manchmal sein mögen. "Diese Münzen machen rund ein Viertel des Betrages aus, den wir über die Spendendosenaktionen einsammeln. Die ein und zwei Cent sind ein stolzer Betrag, den wir dann leider nicht mehr weiterreichen können an die Kinder und Initiativen", sagte Holger Hoffmann vom Kinderhilfswerk.

Nun wird es eine Diskussion mit Mitgliedsstaaten und Interessenvertretern über die Münzfrage geben. Eine Frist nannte EU-Währungskommissar Olli Rehn nicht. Über eine mögliche Abschaffung müssen letztlich die EU-Regierungen entscheiden. Bislang galt ein solcher Schritt als unwahrscheinlich.