EU-Staaten beschließen Gentests für Rindfleisch

Expertin: Medikament in Pferdefleisch nicht harmlos für Menschen

Die Affäre um falsch deklariertes Pferdefleisch zieht mittlerweile Kreise in ganz Europa. Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden. Jetzt haben die EU-Staaten die Einführung von europaweiten Gentests für verarbeitetes Rindfleisch beschlossen. Derweil bestätigt sich bei immer mehr Supermarktketten der Verdacht auf falsch deklarierte Ware.

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Nach dem Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals haben die EU-Staaten Gentests für Rindfleisch beschlossen.
dpa, Jochen Lübke

Insgesamt sollen innerhalb eines Monats 2.250 Proben in allen 27 Mitgliedstaaten genommen werden. Auf jedes Land entfallen dabei zwischen 10 und 150 Proben. Getestet werden nach Angaben der EU-Kommission vor allem Fleischprodukte im Einzelhandel. Falls notwendig, wird die Untersuchung noch länger fortgesetzt, erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg in Brüssel. Eine rechtlich bindende Verpflichtung zur Durchführung der Tests sind die einzelnen Länder jedoch nicht eingegangen. Diplomaten gehen aber davon aus, dass die Länder angesichts des öffentlichen Drucks mitziehen werden.

Zudem soll bei Pferdefleisch geprüft werden, ob es Rückstände des Medikaments Phenylbutazon gibt. Für je 50 Tonnen Pferdefleisch ist eine Probe auf die Arznei vorgesehen – bei einem Gewicht von etwa einer halben Tonne pro Tier, würde demnach ein Prozent der Pferde getestet. Damit soll sichergestellt werden, dass Verbraucher mit Medikamenten verseuchtes Fleisch zu sich nehmen.

Phenylbutazon wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. Das Medikament ist nach Experten-Einschätzung keineswegs harmlos für Menschen. "Es ist ein stark wirksames Mittel gegen Entzündungen im Körper und keinesfalls total unproblematisch", sagte Petra Zagermann-Muncke von der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen – Hautausschläge, Asthma oder Blutbildschäden möglich, auch unabhängig von der Dosis. Die britischen Behörden schätzten das Gesundheitsrisiko dagegen für Menschen als gering ein.

Pferdefleisch-Spuren bei deutschem Hersteller

Spuren von Pferdefleisch sind jetzt auch in einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers gefunden worden. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte mit, dass "in dem Produkt mit der Bezeichnung Rindergulasch 540g Omnimax und dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 05.11.2015 Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen" worden seien.

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd nimmt derweil zwei Fertiggerichte aus den Regalen, nachdem eigene Analysen Pferdefleisch nachgewiesen haben. Das teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Bei den betroffenen Produkten handele es sich 'Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese) ' und um 'Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)', der allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Lidl habe 'Tortelloni Rindfleisch' des Herstellers Gusto GmbH der Hilcona AG aus dem Verkauf genommen, teilte das Unternehmen mit. Man habe zuvor eine Meldung der österreichischen Behörden erhalten, in der es hieß, in den Tortelloni sei ein "nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch" gefunden worden.

Bei Kaiser's Tengelmann hat sich der Verdacht auf Pferdefleisch in der 'A&P'-Tiefkühllasagne inzwischen bestätigt. Zuvor hatten bereits die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka Fertiggerichte mit Pferdefleisch entdeckt, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Als weitere Handelskette hat Konsum Leipzig eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne aussortiert. Konsum ist ein eigenständiges Unternehmen und bezieht seine Ware unter anderem von Edeka.

Unterdessen geht auch die Suche deutscher Behörden nach falsch deklarierten Fleischprodukten weiter. In zahlreichen Bundesländern wurden bereits tausende Tiefkühlprodukte aus den Regalen genommen. Zehntausende Fertiggerichte mit Pferdefleisch werden vernichtet.

In Großbritannien sind erneut Spuren von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten aufgetaucht. Wie die BBC unter Berufung auf die Lebensmittelaufsicht FSA berichtete, wurden Pferdefleischspuren in 29 von 2.500 getesteten Produkten gefunden. In der Grafschaft Lancashire wurden Fleischpasteten wegen Pferdefleischspuren aus den Schulkantinen entfernt.

Zuvor hatte es In London erste Hinweise auf Rückstände von Medikamenten in Pferdefleisch gegeben. Im Zusammenhang mit dem Lebensmittelbetrug wurden in Großbritannien drei Männer festgenommen. Nach Erkenntnissen französischer Ermittler hat der Lebensmittelhändler Spanghero wissentlich tonnenweise als Rind gekennzeichnetes Pferdefleisch aus Rumänien vertrieben.

Spanghero bestreitet dies allerdings. "Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht", sagte Firmenchef Barthelemy Aguerre im Radio. "Ich glaube, die Regierung hat vorschnell gehandelt." Gesundheitsminister Benoit Hamon hatte erklärt, der Firma könne nicht entgangen sein, dass das aus Rumänien importierte Fleisch viel billiger als Rindfleisch gewesen sei. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass der rumänische Exporteur das Fleisch falsch deklariert habe.