EU-Kommissionspräsident Juncker und Angela Merkel wollen Zeitumstellung abschaffen

31. August 2018 - 17:36 Uhr

Jean-Claude Juncker verspricht Abschaffung der Zeitumstellung

Das Ergebnis war eindeutig: 4,6 Millionen EU-Bürger hatten über die Zeitumstellung abgestimmt, 80 Prozent von ihnen votierten für eine Abschaffung. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will jetzt gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür werben. Künftig soll es bei der Sommerzeit bleiben.

EU-Kommission bekennt sich zu Umfrageergebnis

Die EU-Kommission könnte noch am heutigen Freitag die Abschaffung der Zeitumstellung beschließen. "Die Menschen wollen das, wir machen das", sagte Juncker im ZDF-Morgenmagazin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel befürwortet eine Abschaffung. "Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität", sagte Merkel zum Abschluss ihrer dreitägigen Westafrikareise.

Bislang hatte die EU-Kommission stets betont, die Umfrage sei weder bindend noch repräsentativ. Die halbjährliche Zeitumstellung sorgt gerade bei empfindlichen Menschen für gesundheitliche Probleme. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Das sagt Angela Merkel zur Zeitumstellungsdebatte

Worauf wird umgestellt?

Würde man sich an der jetzigen Sommerzeit orientieren, bleibt es im Sommer abends länger hell. Am Morgen würde es "später" warm, gerade bei einer Hitzewelle wie in diesem Jahr ein Vorteil. Doch im Winter hätte die Sommerzeit ihre Nachteile. Da würde es noch eine Stunde länger bis zum Sonnenaufgang dauern. Erst am Nachmittag bliebe es dann länger hell. Schlafforscher plädieren deshalb häufig für die Winterzeit als Regel. Die Begründung: Die Winterzeit passt eher zu unserem biologischen Tagesrhythmus und macht uns produktiver.

Wie geht es jetzt weiter?

Wenn die Kommission einen Gesetzesvorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt, müssten EU-Parlament und EU-Staaten noch zustimmen. Der Rückhalt des Parlaments gilt als sicher. Unter den EU-Staaten sei die Lage nicht ganz so eindeutig, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Liese diese Woche. Die Online-Befragung war in Deutschland auf besonderes Interesse gestoßen. Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kamen rund drei Millionen aus der Bundesrepublik, wo es die Sommerzeit seit 1980 gibt. Den Auftrag zur Prüfung der Sommerzeit hatte das Europaparlament im Frühjahr erteilt.

Droht der EU ein Zeitzonen-Chaos?

In jedem Fall bleibt die Frage nach Sommer- oder Winterzeit eine nationale Angelegenheit. Gerade die südlichen EU-Mitglieder dürften sich gegen die Sommerzeit als Normalzeit entscheiden. Denn im Winter würde die Sonne beispielsweise in Madrid erst gegen halb zehn aufgehen.

Bisher gibt es drei Zeitzonen in der EU: Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), zu der auch Deutschland gehört, die Osteuropäische Zeit (unter anderem Bulgarien, Estland, Finnland und Griechenland) sowie die Westeuropäische Zeit (Irland, Portugal und Großbritannien). Gut möglich, dass sich manche EU-Mitglieder künftig auf eine ständige Winterzeit und andere auf die Sommerzeit festlegen.