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EU-Kommission: Frauenquote für Aufsichtsräte

EU-Kommission: Frauenquote für Aufsichtsräte

Unternehmen per Gesetz zu mehr Weiblichkeit zwingen

"Frauen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt" - was so oder ähnlich in vielen Stellenanzeigen steht, scheint für viele Aufsichtsräte nicht zu gelten. Und so macht die Europäische Kommission nun Ernst in Sachen Frauenquote.

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EU-Grundrechtekommissarin Viviane Reding plant noch für den Herbst eine Richtlinie, die die EU-Staaten zur Einführung einer gesetzlichen Frauenquote verpflichtet.
dpa, Olivier Hoslet

EU-Grundrechtekommissarin Viviane Reding plant noch für den Herbst eine Richtlinie, die die EU-Staaten zur Einführung einer gesetzlichen Regelung verpflichtet. Bindendes Ziel: "40 Prozent aller Aufsichtsräte müssen dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören. Dieses Ziel gilt für börsennotierte Unternehmen und muss bis zum 1. Januar 2020 umgesetzt werden", heißt es in dem Entwurf aus dem die 'Welt am Sonntag' zitiert. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, drohen Strafen wie Bußgelder oder der Entzug von Subventionen.

"Keiner mag Quoten, aber ich mag, was Quoten bewirken", hatte Reding bereits im März in Frankfurt für ihre Idee geworben. "Wir bräuchten sonst Jahrzehnte, um dahin zu kommen, wo wir hin wollen." Wird ein Mann zum Aufsichtsrat berufen, obwohl eine mindestens genauso qualifizierte Frau für den Posten infrage käme, könnte dieser den Job deshalb dann wieder verlieren.

Dabei soll die Richtlinie nicht für kleine und mittlere Unternehmen gelten, "selbst wenn sie börsennotiert sind, da der Verwaltungsaufwand und die zu investierenden Maßnahmen im Verhältnis höher liegen", heißt es.

Frauenanteil in Deutschland nur bei 14 Prozent

In den Unternehmen in den wichtigsten deutschen Börsenindizes (Dax, MDax, TecDax, SDax) lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten im Jahr 2011 durchschnittlich bei knapp 14 Prozent, in den Vorständen sitzen demnach nicht einmal vier Prozent Frauen. Dabei hatte die deutsche Wirtschaft schon vor gut einem Jahrzehnt Besserung gelobt.

Doch von der Brüsseler 40-Prozent-Quote ist das Gros der deutschen Unternehmen ebenso weit entfernt wie von der in Berlin diskutierten Mindestquote von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten. Unter den 30 Konzernen in der ersten Börsenliga erreichen das Ziel nur Deutsche Bank (40 Prozent Frauen), Beiersdorf (33 Prozent), Henkel (32 Prozent), Commerzbank und Deutsche Post (beide 30 Prozent).

Simone Bagel-Trah (43) ist dabei die Exotin. Als einzige Frau führt sie einen Dax-Aufsichtsrat. Im September 2009, 133 Jahre nach Firmengründung, übernahm die Ururenkelin von Firmengründer Fritz Henkel die Kontrolle über die Geschäfte des Düsseldorfer Klebstoff- und Waschmittelriesen Henkel. In einem Interview machte sie bereits 2011 deutlich, was sie von Frauenquoten hält: "Wir wollen allen Mitarbeitern die gleichen Chancen geben. Unabhängig von Geschlecht oder Nationalität." Und: "Wir wollen Frauen fördern, aber wir glauben nicht, dass wir dafür noch eine Quote brauchen."

Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) baut auf Freiwilligkeit – 'Flexi-Quote' nennt sie das und erklärt auf der seit kurzem geschalteten Internetseite (www.flexi-quote.de) ihre "intelligente Quote" mit den Worten: "Nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern mit Köpfchen durch die gläserne Decke."