EU gegen umstrittenes Nervengift: Pestizid-Verbot soll Bienen retten

29. April 2013 - 20:11 Uhr

Bereits geringe Mengen haben verheerende Wirkungen

Das Massensterben der Bienen hat bedrohliche Ausmaße angenommen, die Lage ist durchaus auch für uns Menschen ernst. Denn: Wir sind auf die Bienen angewiesen. Die kleinen Insekten bestäuben circa 80 Prozent aller in Deutschland ansässigen Nutz- und Wildpflanzen, sichern damit deren Fortbestand und ihren eigenen. Dadurch ist die Biene laut Deutschem Imkerbund das wichtigste Nutztier hinter Schwein und Rind. Es ist daher nötig, Bienen zu schützen und deren Aussterben zu verhindern. Die EU macht jetzt den ersten Schritt und lässt drei Pflanzenschutzmittel großflächig verbieten. Allerdings ist das Verbot zunächst nur zeitlich begrenzt, bis man mehr über das Bienensterben weiß. Auch Deutschland hatte sich für den Bann der Pestizide ausgesprochen.

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Bienen sollen in Zukunft wieder gefahrlos Blüten anfliegen können. Die EU-Kommission verbietet einige Pestizide, die für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden.
© dpa, Boris Roessler

So haben Vertreter der EU-Staaten in Brüssel den Weg frei gemacht, den Einsatz von drei umstrittenen Nervengiften für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zu untersagen. Diese sogenannten Neonicotinoide, zu deren Herstellern auch das deutsche Unternehmen Bayer gehört, stehen im Verdacht, das seit langem beobachtete Bienensterben mit zu verursachen.

Der Konzern hatte das Verbot, über das die Mitgliedstaaten schon länger stritten, als unverhältnismäßig kritisiert und als "allzu konservative Auslegung des Vorsorgeprinzips" abgelehnt. Bayer CropScience und Syngenta hatten argumentiert, dass die Beizmittel für die Landwirtschaft unverzichtbar seien, weil Bauern Zeit und Pflanzenschutzmittel sparen könnten. Ein Verbot würde innerhalb der EU Verluste von 17 Milliarden Euro bedeuten, 50.000 Jobs stünden auf dem Spiel.

Greenpeace geht das Verbot nicht weit genug: "Bye bye Biene?"

Greenpeace hingegen geht das Verbot nicht weit genug. Neben Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, müssten auch vier weitere Pestizide (Fipronil, Chlorpyrifos, Cypermethrin und Deltamethrin) umgehend verboten werden. Im April veröffentliche die Organisation Ergebnisse der Untersuchung "Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa". Darin heißt es, dass nur so das in ganz Europa beobachtete Bienensterben auch in Deutschland gestoppt werden.

Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von 'Greenpeace' fordert sogar: "Die giftige Wirkung der Neonikotinoide auf Bienen ist eindeutig belegt. Es ist deshalb dringend nötig, diese Gifte ohne Einschränkungen auf einzelne Pflanzen zu verbieten." Umweltexperten sind sich einig, dass bereits geringe Mengen der genannten Pflanzenschutzgifte eine verheerende Wirkung auf Honigbienen haben: Der Orientierungssinn der Insekten werde gestört, weshalb die Tiere nicht mehr in ihre Bienenstöcke zurückfinden könnten.

Betroffene Bienen weisen nach Angaben von Greenpeace zudem Missbildungen auf. Laut der Umweltschutzorganisation überlebten in den vergangenen Jahren europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. In Deutschland waren es teilweise sogar 30 Prozent. Betroffene Bienen weisen den Angaben zufolge Missbildungen auf.

"Die Ergebnisse unserer Studie sind eindeutig und dürfen von der Politik nicht länger ignoriert werden", sagte der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. Die Interessen der Chemieindustrie dürften nicht länger Vorrang vor dem Schutz von Bienen und der Landwirtschaft haben. Das Bienensterben hätte dramatische Dimensionen erreicht.

In einem Ausschuss der EU-Staaten kam die für ein Verbot notwendige Mehrheit nicht zustande. In diesem Fall liegt die Entscheidung bei der Kommission. Von den 27 EU-Staaten hätten sich 15 für das Verbot ausgesprochen, sagte ein Vertreter der Kommission in Brüssel. Das Verbot soll vom 1. Dezember an für zunächst zwei Jahre gelten. Mit den Chemikalien vorbehandelte Samen dieser Pflanzen dürfen ab dann weder verkauft noch ausgesät werden.