EU: Das stört die Briten

London ist Europas wichtigster Finanzplatz. Den Briten passt es nicht, wenn die EU hier regulierend eingreifen will.
© dpa, epa Andy Rain

16. Mai 2013 - 12:40 Uhr

Von Finanzmarktregulierung bis Bürokratie

Großbritannien stellt sich bei vielen Verhandlungen in Brüssel quer, hat Sonderwünsche und will Ausnahmeregelungen. Zum Entsetzen vieler Europäer kündigte Premier David Cameron eine Volksabstimmung in den kommenden Jahren über die britische EU-Mitgliedschaft an. Er selbst will angeblich drinbleiben - viele seiner Landsleute sehen das ganz anders.

Bei einem Volksentscheid würden zurzeit rund 40 Prozent der Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union stimmen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. 37 Prozent sagten, sie würden für einen Verbleib stimmen.

Aber warum sind die Briten so Euro-skeptisch?

Frühere Weltmacht denkt global statt europäisch

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. Sie geben lieber die Linie vor, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. "London denkt viel mehr global als europäisch", sagt Katinka Barysch, Chefökonomin beim Centre for European Reform in der britischen Hauptstadt. Die Angst, von EU-Partnern aus dem Süden Europas noch tiefer in die ohnehin schon bedrohliche Krise gezogen zu werden, schürt zusätzliche Aversionen.

Finanzplatz London verbittet sich Eingriffe von außen

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich durch Einmischungen aus Brüssel regelrecht bedroht. "Regulierungen etwa für Hedgefonds oder die Finanztransaktionssteuer treffen London viel mehr als jeden anderen in Europa", sagt Barysch. Allerdings hatte die Londoner City in der Finanzkrise auch mehr Schaden angerichtet als andere Finanzplätze.

Die europafeindliche Presse tut ihr übriges

Vorgaben aus Brüssel auch bei Jobs unerwünscht

Großbritannien ist eines der am meisten deregulierten Länder Europas. Strenge Auflagen aus Brüssel, etwa bei Arbeitszeitvorgaben, stoßen auf wenig Verständnis auf der Insel. "Lasst uns so hart arbeiten wie wir wollen", heißt es aus konservativen Kreisen.

Briten kritisieren EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könnte als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Europafeindliche Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. "Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen", zitierte die 'Financial Times' einen britischen Minister.