Vater unter Mordverdacht

Essen: Zweijähriger stirbt nach Hitzeschock – Jugendamt räumt Versäumnisse ein

Zweijähriger tot in Wohnung gefunden
© dpa, -, kde

29. Juli 2019 - 17:49 Uhr

Familie hätte mehr Hilfe benötigt

Im Fall des gestorbenen Zweijährigen aus Essen hat das Jugendamt neue Details über die Familie veröffentlicht. Zum 1. August sollten Sozialpädagogen die Eltern von drei Kindern täglich zu Hause unterstützen. Die Familie aus Essen hätte intensivere Hilfe bei der Erziehung und Förderung ihrer Kinder benötigt, teilte die Stadt mit. Die Eltern sollten mithilfe von Pädagogen lernen, wie sie besser mit ihren Kindern umgehen können. Bevor es dazu kam, starb der zweijährige Sohn aber. Seine Geschwister wurden daraufhin bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Polizei: Kind soll verdurstet sein

Betreut wurde die Familie bereits seit Ende des vergangenen Jahres. Jetzt sitzt der 31 Jahre alte Vater wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft hatte er den Jungen mindestens 17 bis 18 Stunden nicht versorgt. Für das Kind sei die Zimmertür verschlossen gewesen.

Der Polizei zufolge wird dem Vater vorgeworfen, sein Kind verdurstet haben zu lassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft äußerte sich der Vater nicht zu den Gründen, weshalb er das Kind eingesperrt hatte. Die Mutter sei zu dieser Zeit nicht in Essen gewesen. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags durch Unterlassen.

Kreislaufversagen durch Hitzeschock

Der Vater war kein Unbekannter: Wie die Polizei mitteilte, war der Mann schon wegen Kleinkriminalität auffällig geworden. Die Beamten beginnen nun mit der Ermittlungsarbeit und befragen Zeugen. Bis zum Ende der Ermittlungen bleiben die ein und vier Jahre alten Geschwister des gestorbenen Jungen in der Obhut einer Pflegefamilie.

Am Samstagmorgen hatte ein Zeuge die Polizei über den leblosen Jungen in der Wohnung informiert. Die Beamten fanden das Kind dort tot vor. Gegen den Vater wurde Haftbefehl erlassen. Auch die Mutter wurde zunächst festgenommen, wenig später aber freigelassen, da sich der Verdacht gegen den Vater erhärtet hatte. Die Obduktion des Kleinkinds habe ergeben, "dass das Kind aufgrund eines Kreislaufversagens in Folge eines Hitzeschocks verstorben ist", teilte die Polizei mit.