Eskalation in Syrien-Krise? Emmanuel Macron hält Angriffe gegen Chemieeinrichtungen für möglich

Emmanuel Macron schließt einen Angriff auf die "chemische Kapazitäten" Syriens nicht aus.
Emmanuel Macron schließt einen Angriff auf die "chemische Kapazitäten" Syriens nicht aus.
© dpa, Ludovic Marin, BC pat

10. April 2018 - 22:29 Uhr

Frankreich steht im Austausch mit Großbritannien und USA

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schlägt im Syrien-Konflikt drastische Töne an: Er hält Angriffe auf "chemische Kapazitäten" des Regimes für möglich. Zuvor hatte sich schon US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet und der syrischen Regierung mit militärischen Schritten gedroht. Auslöser ist der mutmaßliche Giftgasangriff der syrischen Truppen in der ehemaligen Rebellenhochburg Ost-Ghouta.

Emmanuel Macron spricht von "roter Linie"

Wie reagieren die USA, Frankreich und Großbritannien auf den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas in der Region Ost-Ghouta? Nicht nur die Aussagen von Frankreichs Präsident lassen vermuten, dass es zu einer militärischen Antwort des Westens kommen könnte. US-Präsident Donald Trump sagte überraschend eine geplante Reise nach Südamerika ab. Am Montag hatte er bereits mit militärischen Schritte gegen die syrische Armee gedroht. Die syrischen Streitkräfte befinden sich seit Anfang der Woche in Alarmbereitschaft.

Emmanuel Macron hatte den tödlichen Einsatz von Chemiewaffen schon in der Vergangenheit als "rote Linie" bezeichnet. Frankreich stehe aktuell im Austausch mit seinen Verbündeten, erklärte er in Paris. Ein Beschluss über einen Militäreinsatz sei noch nicht getroffen worden. "Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen", sagte Macron. 

USA drängen auf neue UN-Resolution

HANDOUT - 08.04.2018, Syrien, Duma: Dieses vom Syrischen Zivilschutz, genannt «Weißhelme», zur Verfügung gestellte Bild zeigt einen Junge, der ein Beatmungsgerät über den Mund hält. Bei Angriffen der syrischen Armee auf die letzte verbliebene Rebelle
Sind die Symptome der Patienten die Folge eines Giftgasangriffs? Die WHO kann das bisher nicht bestätigen.
© dpa, -, BH wal abl

Zeitgleich drängen die USA auch auf eine neue UN-Resolution. Darin soll die Gründung einer Untersuchungskommission namens UNIMI festgelegt werden. Außerdem will die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) Experten in die syrische Stadt Duma schicken, um den mutmaßlichen Giftgasangriff zu analysieren. Es wird damit gerechnet, dass Russland sein Veto gegen den Resolutionsentwurf einlegen wird, weil darin von einem Chemiewaffenangriff ausgegangen wird. Russland behauptet, die Rebellen in Ost-Ghouta hätten den Angriff lediglich inszeniert.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme wurden bei den mutmaßlichen Giftgasanschlägen mindestens 42 Menschen getötet. Mehr als 500 weitere Personen seien in Krankenhäusern behandelt worden. Die Patienten litten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Atembeschwerden. Ob diese jedoch durch den Einsatz von chemischen Kampfstoffen verursacht wurden, konnten die Mitarbeiter vor Ort nicht abschließend klären.