Eskalation in Nahost: Israel marschiert in Gaza-Streifen ein

05. August 2014 - 8:30 Uhr

RTL-Reporter Lang in Jerusalem: "Die größte Militäraktion seit 2008"

Tagelang wurde über Waffenruhen diskutiert – das scheint jetzt ausgeschlossen: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Militär angewiesen, eine Bodenoffensive im Gazastreifen zu starten. Viele weitere Opfer werden befürchtet.

Israelische Raketen erleuchten den Nachthimmel über Gaza.
Israelische Raketen erleuchten den Nachthimmel über Gaza.
© dpa, Jim Hollander

Die Aktion solle "heute Nacht beginnen, um gegen die Terrortunnel aus dem Gazastreifen nach Israel vorzugehen", hieß es in einer am Abend veröffentlichten Erklärung des Amts des Regierungschefs.

"Das ist eine wirklich große Aktion, das ist der große Knüppel – der Plan B, nachdem sich die Hamas auch heute nicht auf eine Friedenslösung eingelassen hat", berichtet RTL-Reporter Christof Lang aus Jerusalem. Israel rücke jetzt mit allen Streitkräften aus mehreren Stoßrichtungen nach Gaza ein. "Es heißt, es sei die größte Militäraktion seit 2008 – und da dauerte sie fast einen Monat."

Reporter und Bewohner des Palästinensergebiets berichteten an der Gaza-Grenze von schwerem Artilleriefeuer und Beschuss von See aus. Weitere Augenzeugen berichteten, dass der Himmel über dem Gebiet immer wieder von Leuchtmunition erhellt wurde. Ein Militärsprecher sagte, es würden im gesamten Gazastreifen Ziele der Extremisten angegriffen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Israel nach Beginn der Offensive zu größtmöglicher Zurückhaltung und den Schutz von Zivilisten aufgefordert. "In den vergangenen 24 Stunden hat es eine Reihe von Vorfällen gegeben, bei denen Zivilisten getötet wurden, etwa vier Jungs an einem Strand in Gaza. Ich fordere Israel auf, deutlich mehr zum Schutz von Zivilisten zu tun", sagte Ban.

Anschlag durch Tunnel geplant

Die neue Eskalation erfolgte am Ende eines Tages, an dem es zunächst Signale der Entspannung gegeben hatte. Beide Seiten hielten eine fünfstündige humanitäre Waffenpause ein, die von UN-Organisationen vorgeschlagen worden war und dazu diente, den notleidenden Gazastreifen mit Hilfslieferungen zu versorgen.

In der Nacht zuvor war in Kairo eine erste indirekte Gesprächsrunde zwischen israelischen Regierungsvertretern und Hamas-Unterhändlern zu Ende gegangen. Doch nach Verstreichen der Waffenpause am Nachmittag feuerte die Hamas nach Zählung des israelischen Militärs mehr als 100 Raketen auf Israel ab.

Für Aufsehen gesorgt hatte am Donnerstag in Israel zudem ein offenbar durch einen Tunnel geplanter Angriff der radikalislamischen Hamas auf eine Ortschaft, den die Streitkräfte nach eigenen Angaben vereiteln konnten.

Die Tunnel werden auch deshalb als große Bedrohung gesehen, weil die Islamisten durch sie Israelis entführen und so die Freilassung von Gefangenen erzwingen könnten.

Bei den seit zehn Tagen anhaltenden Auseinandersetzung starben im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben mindestens 224 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Islamisten haben nach israelischen Angaben mehr als 1.300 Raketen auf den jüdischen Staat abgefeuert.