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Eskalation in Ägypten: Wie blutig wird der "Freitag der Wut"?

Eskalation in Ägypten: Wie blutig wird der "Freitag der Wut"?

In einer Moschee in Ägypten sind hunderte Tote aufgebahrt.
RTL-Reporter Dirk Emmerich zählte in nur einer einzigen Moschee 200 Leichen.
Dirk Emmerich

Gepanzerte Fahrzeuge auf dem Tahrir-Platz

Bereits am Morgen bezogen laut RTL Reporter Dirk Emmerich gepanzerte Fahrzeuge Stellung auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Außerdem habe das "Militär angewiesen, scharf zu schießen, sollten Demonstranten Regierungsgebäude angreifen", twitterte er aus der ägyptischen Hauptstadt. Die Muslimbrüder und andere islamistische Parteien hatten ihre Anhänger zu einem 'Freitag der Wut' aufgerufen.

Nach dem Freitagsgebet demonstrierten Islamisten in mehreren Städten Ägyptens gegen Polizeigewalt und die Entmachtung von Präsident Mohammed Mursi. Die Armee sperrte in der Hauptstadt Kairo, wo viele Opfer des Blutbads vom Mittwoch zu Grabe getragen wurden, mehrere Straßen und Plätze ab. Sie hielt sich jedoch von den Versammlungsorten der Islamisten fern.

Die Protestbewegung 'Tamarud', die Ende Juni die Massenproteste gegen Präsident Mohammed Mursi organisiert hatte, rief die Bürger auf, in ihren Wohnvierteln Bürgerwehren zu bilden, um ihre Häuser sowie die lokalen Moscheen und Kirchen vor möglichen Attacken der Islamisten zu schützen.

Die ägyptische Regierung korrigierte die Zahl der Toten laut übereinstimmender Medienberichte auf 638 nach oben. Verletzt worden seien 4.201 Menschen. Doch an den Zahlen gibt es Zweifel. Dirk Emmerich twitterte: "Eine Moschee in Nasr Kairo …Alleine hier 200 Leichen gezählt. Offizielle Opferzahlen zu gering, stimmen nicht."

Scharfe Kritik an ägyptischer Führung

Zwischen den Verbündeten USA und Ägypten wird der Ton unterdessen rauer. Kairo kritisiert Äußerungen von US-Präsident Barack Obama und spricht von terroristischen Handlungen, die sich gegen Regierungsgebäude und lebenswichtige Einrichtung richteten. In der Erklärung des Büros von Übergangspräsident Adli Mansur hieß es, man befürchte, dass Erklärungen, die nicht auf korrekten Fakten basieren, gewalttätige bewaffnete Gruppen stärken könnten."

Obama hatte erklärt, die USA verurteilten die Maßnahmen der Übergangsregierung und der Sicherheitskräfte scharf. Obama bedauerte die Gewalt gegen Zivilisten und sprach sich gegen den verhängten Notstand aus. Die USA sagten eine traditionelle gemeinsame Trainingseinheit beider Streitkräfte ab.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt in Ägypten. Zugleich wurden alle Parteien aufgerufen, die "Aggressionen" einzustellen, wie Argentiniens Vertreterin Maria Cristina Perceval als derzeitige Ratspräsidentin nach einer Dringlichkeitssitzung des Gremiums mitteilte.

Mehrere westliche Staaten, darunter Deutschland, hatten zuvor die ägyptischen Botschafter einbestellt. Die EU-Außenminister wollen die Lage in dem Land voraussichtlich Anfang kommender Woche erörtern.