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Es war seit einem Jahr verschollen: Argentinisches U-Boot mit 44 Menschen an Bord gefunden

U-Boot vor der argentinischen Küste gefunden
U-Boot vor der argentinischen Küste gefunden Seit einem Jahr verschollen 00:29

Wrack liegt in 800 Metern Tiefe im Südatlantik

Fast genau ein Jahr lang wusste niemand, was mit dem argentinischen U-Boot "ARA San Juan" und den 44 Menschen an Bord passiert war. Auf einer Patrouillenfahrt brach der Funkkontakt zu dem U-Boot plötzlich ab, seitdem war es spurlos verschwunden. Nun wurde das Wrack im Südatlantik geortet. Für die Familien der Opfer ist das eine große Erleichterung: Nun kann hoffentlich endlich geklärt werden, was damals zu dem tragischen Unfall führte.

Die "ARA San Juan" verschwand am 15. November 2017

Am 15. November, dem ersten Jahrestag des Unglücks, gab es in der argentinischen Küstenstadt Mar del Plata noch eine Gedenkveranstaltung für die 44 Marinesoldaten, die zusammen mit dem U-Boot am Grund des Meeres verschwanden. "Wir vergießen Tränen der Verzweiflung", sagte Juan Aramayo, der Vater eines der Besatzungsmitglieder, bei der Zeremonie. "Es wird schwieriger, die Hoffnung zu behalten, bis wir wissen, wo sie sind und was geschehen ist."

"Wir werden nicht aufgeben. Wir werden weitersuchen, bis wir es finden", versprach der argentinische Präsident Mauricio Macri. Dieses Versprechen konnte dann schneller eingelöst werden, als alle gedacht hätten. Nur Stunden später kam die erlösende Nachricht, auf alle so lange gewartet hatte: Die "ARA San Juan" wurde gefunden. Die privaten Firma Ocean Infinity, die mit der Suche nach dem U-Boot beauftragt worden war, ortete das Wrack in 800 Metern Tiefe, wie die argentinische Marine mitteilte.

Wahrscheinlich versenkte ein Explosion das U-Boot

Angehörige der Besatzung der "ARA San Juan"
Die Angehörigen lebten ein Jahr lang in völliger Ungewissheit, weil niemand ihnen sagen konnte, was mit den 44 Menschen an Bord des U-Boots passiert ist. © dpa, Esteban Felix, EF tli gfh

Das U-Boot sollte am 15. November 2017 von Ushuaia ganz im Süden des Landes nach Mar del Plata fahren. Doch auf der Routinefahrt ging etwas schief. Es gab technische Probleme an Bord und in der Nähe der letzten bekannten Position der "ARA San Juan" wurde eine Explosion registriert. Suchmannschaften machten sich sofort auf den Weg, doch das U-Boot war spurlos verschwunden. Nach 15 Tagen vergeblicher Suche wurden die Besatzungsmitglieder für tot erklärt.

Das Wrack sei nun etwa 460 Kilometer vor dem Golf von San Jorge und südlich von Mar del Plata entdeckt worden, berichtete die Zeitung La Nación. Die Firma war schon kurz davor, die Suche abzubrechen, doch dann wurde eine Unterwasserdrohne doch noch fündig. Als Belohnung soll Ocean Infinity umgerechnet rund 6,5 Millionen Euro erhalten. Ob das Wrack und die toten Seeleute aus der Tiefe geborgen werden können, ist noch unklar. 

"Jetzt wissen wir, wo unsere Kinder sind"

Besatzung des verschollenen U-Boots
An Bord des verschwundenen U-Boots waren 44 Menschen. © imago/ZUMA Press, Mario De Fina, imago stock&people

Die Angehörigen der U-Boot-Besatzung sind einerseits erleichtert, dass die Ungewissheit nun vorbei ist. "Jetzt wissen wir, wo unsere Kinder sind. Wir wollen ihnen den Abschied bereiten, den sie verdienen. So können wir Frieden finden", sagte Jorge Villarreal, dessen Sohn ebenfalls an Bord war. Viele fordern jetzt aber lückenlose Aufklärung. "Wir wollen die Wahrheit wissen und die Justiz soll klären, wer dafür bezahlen muss", sagte Aramayo.

Viele sind aber auch wütend, dass es so lange gedauert hat, bis das U-Boot gefunden wurde. Erst auf drängen der Familien der Männer an Bord, wurde die Stelle, wo die "ARA San Juan" nun gefunden wurde, noch einmal genauer abgesucht. "Ich will wissen, was passiert ist", sagte Oscar Vallejos, der seinen Sohn bei dem Unglück verloren hat, dem Fernsehsender C5N. "Sie wussten schon, wo sie sind und haben gewartet, bis ein Jahr vergangen ist. Ich habe meine Zweifel. Welch ein Zufall", warf er der argentinischen Regierung vor. 

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