"Es gibt nur einen Weg durch die Krise - GEMEINSAM"

Familie bittet in Todesanzeige einer Corona-Patientin: Nehmt das Virus ernst!

Mit dieser Todesanzeige will Annelieses Familie nicht nur das Bewusstsein für das Virus stärken, sondern auch Hoffnung machen.
© Harald von Ameln

27. November 2020 - 10:01 Uhr

"Unsere Ärzte und Pfleger versuchen alles, unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit, um uns zu helfen"

Eine Familie aus Aachen nutzt die Todesanzeige ihrer Mutter und Oma, um jeden einzelnen von uns daran zu erinnern, wie gefährlich das Virus ist. Das war der letzte Wunsch der 74-Jährigen, die an Corona erkrankte. Anneliese hatte bereits mit einer Vorerkrankung zu kämpfen und konnte deshalb in den letzten acht Monate kaum vor die Tür. Als sie dann zum ersten Mal das Haus verließ, steckte sie sich mit dem Corona-Virus an – und verstarb kurze Zeit später.

Ihr Sohn hat selbst erlebt, wie ernst das Virus ist

Im Gespräch mit RTL erzählt Harald von Ameln, Annelieses Sohn, dass er sich selbst schon im März mit dem Virus infiziert hatte. Er weiß also aus eigener Erfahrung, wie ernst die Krankheit ist. "So schlecht habe ich mich die letzten zwanzig Jahre nicht gefühlt", erinnert er sich. Obwohl er regelmäßig Sport macht und sich selbst als fit beschreibt, habe er ein halbes Jahr gebraucht, um zumindest wieder bei 95 Prozent seiner Leistung zu sein.

Anneliese war lungenkrank

Da er schon mit der Krankheit zu kämpfen hatte, wusste Harald, wie gefährlich Corona für seine Mutter werden könnte. Denn Anneliese litt an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und war somit eine Risikopatientin. COPD führt dazu, dass die Lunge dauerhaft geschädigt und die Atemwege verengt sind. "In dem Moment, wo ich erfahren habe, wie schwer so eine Erkrankung sein kann, habe ich meiner Mutter im Prinzip verboten, das Haus zu verlassen, weil es für sie eben lebensbedrohlich war", erzählt er uns. Durch die fehlende Bewegung bekam die 74-Jährige allerdings Wassereinlagerungen in den Beinen.

"Ihr Hausarzt meinte, die würden so nicht weg gehen, sie müsste ein bis zwei Tage im Krankenhaus behandelt werden, um das Wasser aus dem Körper herauszubekommen."

Schon am ersten Tag im Krankenhaus hat Anneliese sich dann mit dem Coronavirus angesteckt. Im Gespräch mit RTL betont Harald, dass seine Familie dem Krankenhaus keine Schuld gibt. Das sei der Familie sehr wichtig, denn sie wisse, was die Ärzte und Pfleger jeden Tag leisteten. In der Todesanzeige schreiben sie: "Unsere Ärzte und Pfleger versuchen alles, unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit, um uns zu helfen." Harald erzählt uns, dass das Virus auf der Station seiner Mutter sehr stark ausgebrochen sei.

"Viele Ärzte, Pfleger und insgesamt zehn Patienten wurden infiziert. Von denen lagen nachher sieben auf Intensiv und fünf davon sind tatsächlich verstorben."

"Es gibt nur einen Weg aus der Krise - GEMEINSAM"

Seine Mutter wusste, dass ihre Überlebenschancen gering waren. Wie so viele anderen hatte sie Angst vor dem Virus. Kurz vor ihrem Tod konnte sie noch ihren letzten Wunsch äußern: "Schatz, sag den Leuten, sie sollen es ernst nehmen!"

Und das tut die Familie in Annelieses Todesanzeige. Ihre Botschaft ist eindeutig: "Es gibt nur eine Lösung: Das ist zusammen und gemeinsam. Alles andere wird nicht funktionieren. Und man muss einfach mehr Respekt anderen Menschen und Meinungen gegenüber aufbringen. Nur so haben wir eine Chance, mit dem Virus zu leben. Denn verschwinden wird er nicht."

Die Familie wünscht sich, dass die Menschen sich gegenseitig wieder mehr zuhören. Denn nur, wer die Sorgen der anderen kennt, kann auch Verständnis aufbringen. "Viele Menschen haben große Angst um ihre Gesundheit oder ihre Angehörigen. Andere wirtschaftliche und teils existentielle Probleme. Trotzdem gibt es nur einen Weg aus der Krise – GEMEINSAM".

Die Anzeige endet mit den Worten "Wir werden den Virus nicht besiegen, aber gemeinsam haben wir eine Chance, damit zu leben. Bleibt gesund und passt auf euch und alle Mitmenschen auf". Und das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen!