Hört auf, frisch abgeholzte Bäume das Klo runterzuspülen!

Es gibt keinen Grund, KEIN Recycling-Klopapier zu nutzen

© RTL.de

18. September 2019 - 7:43 Uhr

Kommentar von Katharina Meyer

Scheinbar überschlägt sich gerade die ganze Welt in dem Versuch, den Klimawandel doch noch abzuwenden und die Erde vor dem drohenden Untergang zu bewahren – durch einen Nachhaltigkeitstipp nach dem anderen. Das ist super, obwohl ich mich immer frage, wie viel meiner jahrelang erlernten Bequemlichkeit ich denn jetzt aufgeben muss, um meinen Beitrag zu leisten. Doch bei einer Sache stellt sich mir diese Frage nicht: beim Klopapier. Denn es gibt für mich keine Ausrede, KEIN Recyclingpapier zu benutzen!

„Ich will ja umweltbewusst leben, aber..."

Gefühlt bei jeder Entscheidung, die zum Wohle der Umwelt getroffen wird, gibt es zwei Seiten der Medaille – oder zumindest Entschuldigungen und Ausflüchte, die ich nicht nur durchgehen lassen kann, sondern oft auch selbst verwende.

Der nächste Unverpackt-Laden? Weiter weg als der Rewe, bestimmt teurer, kleinere Auswahl – und da müsste ich ja erstmal versuchen, auf wundersame Art und Weise eine Dose mit passendem Deckel in meinem überquellenden Schrank aus scheinbar unvereinbaren Einzelstücken zu finden. (Immerhin hab ich immer einen Jutebeutel dabei!) Der nächste Trip zu meinen Mädels nach Berlin, wo ich ein paar Jahre gewohnt habe, steht an? Super, ich guck mal nach den Preisen und Verbindungen bei der Bahn. Ähhh, ja, nee, das ist ja teurer als zu fliegen und für An- und Abreise geht ein halber Tag flöten. Ich hab doch eh nur zwei Tage Wochenende! Stofftaschentücher? Eklig! Menstruationstasse? Krieg ich die jemals so sauber, dass ich sie mir bedenkenlos...? Naja, Sie wissen schon.

Recycling-Klopapier ist nicht mehr so hart wie früher

Also, Schande über mein - an den Klimawandel glaubendes und ihn mehr als jede andere Bedrohung unseres Lebens fürchtendes - Haupt! Klar, manchmal erfordert es eben ein Opfer, das Richtige zu tun. Wär ja sonst auch zu einfach. Den Planeten retten ja auch Superhelden nicht, ohne dafür zu kämpfen und über sich hinauswachsen zu müssen. Aber Recycling-Klopapier zu benutzen, steht weder meiner Bequemlichkeit noch meinen Hygienebedenken im Weg.

Die Zeiten von hartem, grauem Recycling-Klopapier sind nämlich längst vorbei. Das findet man höchstens noch auf Raststättentoiletten und da hat man ja meist andere Bedenken als die, ob das Klopapier weich genug ist. Ich verstehe natürlich den Impuls, dass man sich gerade in der sensiblen Region, für die man Toilettenpapier meist verwendet, besonders weiche Materialien wünscht. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, wie kurz der Kontakt zwischen dem Papier und unserer Haut ist, bevor es das Klo runtergespült wird, kann man den minimalen Abstrich in Sachen Weichheit doch wohl in Kauf nehmen!

Kaum Unterschiede in der Qualität

Dass die Abstriche nur noch klein sind, zeigt auch ein Test der Partnerorganisation von Stiftung Warentest, dem Verein für Konsumenten­information (VKI), von 2018. Die Qualität verschiedener Klopapiermarken unterscheide sich demnach nur noch kaum. Beim Kauf "kann man nichts mehr falsch machen" – weshalb die Tester vom VKI dazu raten, "bevor­zugt Recycling-Produkte mit Umwelt­zeichen zu kaufen und preisgüns­tige Angebote zu bevor­zugen". Wenn es also sowohl in Sachen Weichheit, Reißfestigkeit und Ergiebigkeit völlig schnuppe ist, welches Toilettenpapier man nimmt, warum sollte man dann noch zu dem aus Frischfasern greifen?

Für eine Tonne Papier werden 2,2 Tonnen Holz gebraucht

Abholzung im Regenwald
Klopapier aus Frischzellstoff schadet dem Regenwald.
© iStockphoto, J.L.Bulcao

Denn was sich hinter den netten Worten "Frischfasern" oder "Frischzellstoff" verbirgt, sind tonnenweise zerhäckselte Bäume. Fasern, für deren Gewinnung laut Greenpeace "Kiefern, Fichten, Birken oder Eukalyptus-Bäume eingeschlagen, entrindet, in Hackschnitzel portioniert und mittels chemischer oder mechanischer Verfahren in Zell- und Holzstoff überführt wurden." Und dass, um direkt danach wieder in der Kanalisation zu landen. Tschüss, Regenwald! Dabei könnten die Fasern durch Recycling bis zu sechsmal wiederverwendet werden.

Und nicht nur das: Generell müssen für Recycling-Klopapier bis zu 60 Prozent weniger Energie und bis zu 70 Prozent weniger Wasser aufgewendet werden als für die Frischzellstoff-Variante. Es fallen weniger Abfälle und weniger CO2-Emissionen an – und günstiger ist Recycling-Klopapier übrigens auch: rund 15 Prozent. Und doch greifen immer weniger Menschen zu Recycling-Klopapier – laut Greenpeace ist der Anteil von Altpapier in Hygienepapieren (also Klopapier, Taschentücher, Küchenrolle usw.) von 77 Prozent im Jahr 2001 auf 51 Prozent im Jahr 2012 gesunken, während der Pro-Kopf-Verbrauch von 11 auf 18 Kilogramm im Jahr gestiegen ist.

Sind die Druckerfarben in Altpapier schädlich?

Sie merken es vielleicht schon, Recycling-Klopapier hat – ja, vor allem für die Umwelt – viele Vorteile. Wie sieht es denn mit Nachteilen aus? Hin und wieder hört man als Gegenargument gegen das Toilettenpapier aus recyceltem Papier, dass die Rückstände von Druckerfarben schädlich sein könnten. Auch hierfür gibt Greenpeace Entwarnung: Der Altpapierbrei wird erst einmal "De-Inked", also von der Druckerschwärze befreit. Anschließend wird die Masse auf 100 Grad Celsius erhitzt und teils mit Peroxid versetzt. Dadurch werden Bakterien, Schadstoffe und Keime abgetötet. 2009 hat Öko-Test recyceltes Toilettenpapier im Labor unter anderem auf den Schadstoffgehalt getestet. Von 21 Papieren bekamen sieben die Note "Sehr gut" und 13 die Note "Gut".

Ein kleiner Schritt für mich, ein großer für die Umwelt?

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich bin absolut kein Paradebeispiel, wenn es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht. Ich treffe viel zu oft Entscheidungen, die zugunsten meiner Bequemlichkeit ausfallen, statt die klimafreundlichere Variante zu nehmen. Ich kann, nein, ich MUSS mehr machen, das weiß ich. Aber manchmal ist ja vielleicht ein kleiner Schritt in die richtige Richtung schon besser, als einfach stehenzubleiben. Und beim Einkaufen zum Recycling-Klopapier zu greifen, fällt mir zumindest nicht schwer...

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie hier!