2018 M08 19 - 17:06 Uhr

Ertrinkende rufen meist nicht um Hilfe

Würden Sie erkennen, wenn jemand im Wasser um sein Leben kämpft? Ertrinkende stellt man sich meist laut und mit wild rudernden Armen um Hilfe schreiend vor. In der Realität sieht das ganz anders aus: Wer droht, zu ertrinken, tut das meist still und leise. Die Betreiber eines US-amerikanischen Wellenbads haben dazu ein eindrucksvolles Video veröffentlicht, in dem sie zeigen, dass Ertrinkende von den Menschen um sie herum oft gar nicht erkannt werden.

Zeichen, an denen man Ertrinkende erkennt

Wenn ein Mensch im Wasser in Lebensgefahr gerät, sieht das nicht immer nach einem Kampf aus. Gerade kleine Kinder zeigen im Wasser meist kein Abwehrverhalten, wenn sie in Not geraten. Um instinktiv zu vermeiden, Wasser in den Mund zu bekommen, schreien sie nicht, ebensowenig winken sie. Meist kippt ihr Körper vorneüber.

Die Zeichen, die man bei Ertrinkenden vermutet, können auch bei Erwachsenen ausbleiben. Um sich über Wasser zu halten, streckt der Ertrinkende beide Arme seitlich aus, der Körper bleibt daher eher aufrecht, wie Rettungsschwimmer Francesco Pia aus den USA erklärt. Wenn er seinen Mund noch über die Wasseroberfläche bringen kann, schnappt er außerdem nach Luft.

Erst kürzlich warnte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG, dass immer weniger Menschen schwimmen können. 2017 sind laut DLRG-Statistik alleine in Deutschland mindestens 400 Menschen ertrunken. Erschreckend dabei ist, dass viele Opfer von anderen Badegästen beobachten werden - doch diese schätzen die Situation völlig falsch ein und erkennen nicht, dass sich die Person in einer lebensgefährlichen Situation befindet. Das Ertrinken ist meist ein völlig ruhiger und stiller Vorgang.

Wann kämpft jemand im Wasser um sein Leben?

Ertrinkender im Wasser
Wer ertrinkt, rudert in der Regel nicht wild mit den Armen umher.
© picture alliance

Francesco Pia führt folgende Punkte auf, die man sich bewusst machen soll, um Ertrinkende zu erkennen und Notsituationen im Wasser richtig einschätzen zu können:

  1. Ertrinkende sind meist nicht dazu in der Lage, Hilfe zu rufen. Das Atmungssystem ist der Sprachfunktion vorgelagert - kann man nicht atmen, kann man erst recht nicht sprechen oder rufen.
  2. Beim Ertrinken befindet sich der Mund unter der Wasseroberfläche. Gelangt er kurz nach oben, bleibt der Person nur Zeit, schnell auszuatmen und wieder einzuatmen, bevor der Kopf wieder abtaucht.
  3. Weil die Arme instinktiv seitlich ausgestreckt werden, ist ein Herbeiwinken von Hilfe nicht möglich.
  4. Der Körper befindet sich während der Dauer des Ertrinkens aufrecht im Wasser. Ertrinkende können sich in der Regel jedoch nur etwa 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bis sie untergehen.

Achten Sie bei Ertrinkenden auf diese Anzeichen

Um zu erkennen, dass jemand gerade im Wasser um sein Leben kämpft, sollten Sie außerdem auf diese Anzeichen achten: Befindet sich sein Kopf unter Wasser und der Mund auf Höhe der Wasseroberfläche? Ist der Kopf nach hinten geneigt, der Mund geöffnet? Sind die Augen geschlossen oder glasig und leer und nicht in der Lage, zu fokussieren? Werden die Beine nicht benutzt? Versucht der Ertrinkende, sich in eine Richtung zu bewegen, kommt aber nicht voran? Versucht er, sich im Wasser auf den Rücken zu drehen?

Wichtig dabei: Auch eine Person, die im Wasser schreiend und winkend um Hilfe ruft, kann sich in einer ernsthaften Notsituation befinden, ist aber anders als ein still Ertrinkender in der Lage, sich an der eigenen Rettung zu beteiligen.