Erstmals Ebola-Fall außerhalb von Westafrika - Patient in den USA

10. Oktober 2014 - 20:07 Uhr

"Ich habe keine Zweifel, dass wir diesen Fall kontrollieren werden"

Erstmals seit Ausbruch der Ebola-Epidemie ist ein Patient außerhalb von Afrika mit der Krankheit diagnostiziert worden. Der Mann sei vor rund zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA eingereist, wo die Krankheit bei ihm anhand von Proben zweifelsfrei diagnostiziert worden sei, teilte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde, Thomas Frieden, mit. Der Patient habe erst einige Tage nach der Einreise in die USA Symptome entwickelt und sich in ein Krankenhaus in Dallas im US-Bundesstaat Texas begeben. Dort sei er auf eine Isolationsstation gebracht worden.

Erstmals Ebola-Fall außerhalb von Westafrika
In diesem Krankenhaus in Dallas wird der Ebola-Patient behandelt.
© Splash News

Frieden telefonierte auch mit US-Präsident Barack Obama, um ihn über den Fall zu informieren. Die beiden sprachen über die strengen Vorschriften zur Isolation des Patienten, teilte das Weiße Haus mit. Frieden habe Obama gesagt, dass die Zentren für Seuchenkontrolle (CDC) auf solch eine Situation vorbereitet sei und sicher und effektiv reagieren könne. Obama hatte die CDC mit Sitz in Atlanta bereits vor zwei Wochen besucht, dabei mit Ärzten und anderen Mitarbeitern gesprochen und zu schnellem Handeln im Kampf gegen das Virus aufgerufen.

Weitere Verdachtsfälle gebe es in den USA derzeit nicht, sagte Frieden. "Ich habe keine Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren werden, so dass die Krankheit sich in diesem Land nicht weiter verbreiten wird", erklärte er. "Wir werden das stoppen."

Der mit dem Ebola-Virus angesteckte Patient sei aus Liberia in die USA gekommen, um Verwandte zu besuchen. Details oder persönliche Angaben, etwa über das Alter des Mannes, gab die Gesundheitsbehörde nicht bekannt.

Bund für Verzicht auf Abschiebungen in Ebola-Länder

Nach derzeitigen Informationen sehe es so aus, als sei der Patient in Westafrika nicht an der Bekämpfung der Epidemie beteiligt gewesen. Wie er sich angesteckt habe, sei bislang nicht bekannt. Das Texas Health Presbyterian Krankenhaus in Dallas sei "gut vorbereitet" um mit so einer Situation umzugehen, sagte Edward Goodman, der dort als Arzt arbeitet.

Dem Ebola-Ausbruch in Westafrika sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 3.000 Menschen zum Opfer gefallen, vor allem in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Die Zahl der Infizierten stieg auf mehr als 6.500. Die WHO rechnet aber mit einer hohen Dunkelziffer.

Bislang waren in den USA seit Beginn der jüngsten Ebola-Epidemie insgesamt fünf Patienten mit der Krankheit behandelt worden. Sie hatten sich alle in Westafrika angesteckt, waren dort diagnostiziert und dann in die USA zur Behandlung gebracht worden. Drei von ihnen haben die Krankheit inzwischen überstanden. Über den Zustand eines vor rund drei Wochen in eine Spezialklinik in Atlanta im Bundesstaat Georgia gebrachten Patienten gibt es derzeit keine Informationen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte in einem Medienbericht die schleppende europäische Unterstützung: "Wir sind da in Europa nicht schlagkräftig und schnell genug. Ich würde mir wünschen, dass wir schneller wären." Bei derartigen Katastrophen sei eine bessere Abstimmung auf europäischer Ebene notwendig. Die Bundeswehr bemüht sich aktuell, eine Luftbrücke aufzubauen. Dabei kommt es allerdings wegen defekter Flugzeuge zu Verzögerungen.

Wegen des Gesundheitsrisikos in den Ebola-Gebieten hält das Bundesinnenministerium die Aussetzung von Abschiebungen nach Westafrika für angemessen. Dies sei jedoch Sache der Bundesländer, sagte ein Ministeriumssprecher. Einige Länder, darunter Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hamburg, haben ihre Abschiebungen nach Liberia, Sierra Leone, Guinea, Nigeria und den Senegal bereits ausgesetzt.