Erstes Kind stirbt an EHEC: 2-Jähriger tot

© dpa, Angelika Warmuth

22. Juni 2011 - 18:12 Uhr

Millionen-Hilfen für Bauern beschlossen

Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben. Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Celle starb an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), sagte ein Sprecher des Landkreises. Bislang war das jüngste vom Robert Koch-Institut (RKI) registrierte Opfer in Deutschland 20 Jahre alt. Damit steigt die Zahl der Toten auf 37.

Wie der Celler Amtsarzt Carsten Bauer der 'Celleschen Zeitung' bestätigte, starb das Kleinkind infolge von Nierenversagen und einer Auflösung von roten Blutkörperchen. In der Familie seien zudem der zehnjährige Bruder und der Vater an EHEC erkrankt. Diese sind inzwischen aber nach Angaben des Amtsarztes bereits wieder auf dem Weg der Besserung. Wie sich die Familie angesteckt hat, war zunächst noch unklar.

Unterdessen beschlossen Vertreter der 27 EU-Länder in Brüssel millionenschwere Entschädigungen für die von der Krise betroffenen Bauern. Europäische Landwirte erhalten 210 Millionen Euro für ihre Umsatzeinbußen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder kritisierten die Summe aber als zu niedrig, so dass die Kommission aufgestockt hatte.

Gemüse-Nachfrage steigt

Auf der dringenden Suche nach der Infektionsquelle kommen die Forscher voran: Drei Sprossenarten haben sie eingegrenzt. Denn positiv auf EHEC getestete Mitarbeiter des Biohofs in Bienenbüttel haben vor allem Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen.

"Wir fokussieren uns jetzt auf die Quelle Sprossen und alles was damit zusammenhängt, also auch das Saatgut und möglicherweise, dass ein infizierter Mensch diese Sprossen kontaminiert hat", sagte Dr. Lüppo Ellerbroek vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.

Ob die Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben oder schon verseuchtes Saatgut in den Betrieb gelangt ist und die Mitarbeiter infiziert hat, ist noch unklar. "Wir müssen jetzt verstärkt in die Ursachenforschung gehen, ob andere Lebensmittel, die möglicherweise ähnlich hergestellt werden, auch für den Menschen eine mögliche Gefahr sind", so Ellerbroek.

Unterdessen steigt die Nachfrage nach Gemüse in Deutschland wieder an. Auf dem Gemüsemarkt sei eine leichte Entspannung festzustellen, teilte der Deutsche Bauernverband (DBV) mit. Auch bei den Direktvermarktern auf den Wochenmärkten und in Hofläden im Norden Deutschlands normalisierte sich die Lage, sagte Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Die Gemüseregale in den Verbrauchermärkten seien über Pfingsten jedoch weitgehend leergeblieben, da es den großen Supermarkt- und Discounter-Ketten nach der Entwarnung nicht mehr gelungen sei, rechtzeitig zu ordern, sagte Dahmke.

Bei einem EHEC-Fund auf Salat in Bayern gab es indes Entwarnung. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es sich um den gefährlichen Typ des Erregers handelt", sagte der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder.