Erster Streik in Deutschland: Mitarbeiter bei Amazon legen die Arbeit nieder

14. Mai 2013 - 19:49 Uhr

Viele Pakete bleiben liegen

Die Mitarbeiter beim Online-Versandhändler Amazon streiken seit sechs Uhr am Morgen zum ersten Mal für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Am größten deutschen Standort im osthessischen Bad Hersfeld und in Leipzig soll die Arbeit den ganzen Tag niedergelegt werden, das teilte die Gewerkschaft Ver.di mit. An beiden Standorten beteiligen sich seit dem Morgen rund 700 Mitarbeiter an der Protestaktion. "Wir sind zuversichtlich, die Betriebsabläufe empfindlich beeinträchtigen zu können", sagte Verdi-Streikleiter Heiner Reimann. Amazon-Kunden müssen damit rechnen, dass ihre Bestellungen womöglich langsamer als üblich kommen.

Amazon: Erster Streik in Deutschland
Amazon-Mitarbeiter legen die Arbeit nieder.
© dpa, Hendrik Schmidt

Die Gewerkschaft fordert, die Amazon-Belegschaft nach einem Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels zu bezahlen. Bisher orientiert sich das Unternehmen an der Bezahlung in der Logistikbranche. Für die einzelnen Beschäftigten würde die Anerkennung des Tarifvertrags laut Gewerkschaft bis zu 9.000 Euro brutto im Jahr ausmachen. Bei einer Urabstimmung hatten sich fast 98 Prozent aller Mitarbeiter für einen Arbeitskampf ausgesprochen.

Verhandlungen könnten sich über Wochen hinziehen

Amazon lehnt die Forderungen der Gewerkschaft bisher ab: "Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist", teilte das Unternehmen mit. Die Gewerkschaft stellt sich auf eine längere Auseinandersetzung mit dem Versandriesen ein. "Wir können das über viele Wochen durchziehen", sagte Reiner Heiner von Verdi Hessen. Wann genau der Streik fortgesetzt werden soll, ließ er allerdings offen.

Das in der Öffentlichkeit eher zurückhaltende amerikanische Unternehmen sorgte zuletzt mehrfach für Schlagzeilen: Zu Jahresbeginn war Amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern in die Kritik geraten.

Auch in Essen, Düsseldorf und Dortmund sind heute mehrere hundert Angestellte in einen ganztägigen Warnstreik getreten. Hintergrund ist der Tarifkonflikt des nordrhein-westfälischen Einzelhandels. Die Gewerkschaft Verdi fordert rund 6,5 Prozent mehr Geld für die Angestellten. Auszubildende sollen 140 Euro mehr im Monat bekommen. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 4. Juni geplant.