Noch mit 75 wollte er wieder hochfliegen

Erster Deutscher im All: Sigmund Jähn ist tot

© dpa, Hendrik Schmidt, hsc fdt

23. September 2019 - 7:29 Uhr

Der erste Deutsche im All

Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist am Samstag (21.09.) verstorben. Das berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Mit Sigmund Jähn verliert die deutsche Raumfahrt einen weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur", sagt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR in einer ersten Mitteilung. Jähn wurde 82 Jahre alt.

Bescheidener Kosmonaut trotz großer Popularität

Der Kosmonaut Sigmund Jähn nach seinem erfolgreichen Flug mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 zur Raumstation MIR. (01.08.1978)
Sigmund Jähn nach seiner erfolgreichen Mission im All. Er flog vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus und verbrachte fast acht Tage in der Schwerelosigkeit.
© dpa, Zentralbild, hg_gr cul cdt fux fdt

Der 1937 geborene Sachse machte nach einer Lehre zum Buchdrucker eine weitere Ausbildung zum Jagdflieger. Von 1976 an wurde er in der Sowjetunion mit hartem Training auf seinen ersten Flug ins All vorbereitet. Zwei Jahre darauf flog er am 26. August 1978 mit der Rakete "Sojus 31" erstmals ins All. 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten verbrachte er dort und umkreiste dabei 125 Mal die Erde.

Der Kosmonaut war in der DDR dadurch ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden - gerade deswegen wurde er verehrt.

Jähn ist einer von bisher elf Deutschen im All gewesen

Nach der Mission im All reiste der zurückhaltende Jähn durch die DDR, wurde zum Generalmajor ernannt und hielt seine Erfahrungen im Buch "Erlebnis Weltraum" fest. Schulen wurden nach ihm benannt und eine Gedenkmünze mit seinem Gesicht geprägt.

An Bord der russischen "Saljut 6" hatte Jähn diverse Experimente zu Medizin, Biologie und Materialwissenschaft durchgeführt. Als Lektüre hatte er neben dem "Manifest" von Karl Marx auch das Buch "Faust" von Goethe im Gepäck. Erst fünf Jahre nach Jähn flog wieder ein Deutscher ins All - bisher sind es laut DLR-Angaben gerade einmal elf gewesen.

Nach dem Tod des Weltraumpioniers äußerte sich auch Europas Raumfahrtchef Jan Wörner. Er sei zutiefst dankbar dafür, dass er Jähn persönlich kennenlernen durfte, sagte er der dpa. "Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden."

Mit der Wende folgt ein neues Leben

Sigmund Jähn spricht in Berlin vor zwei Mikrofonen
Jähn wurde als erster Deutscher im All von der Nation gefeiert. Selbst im hohen Alter ließ ihn die Faszination für die Raumfahrt nicht los.
© deutsche presse agentur

Nach der Wende 1989 war Jähn zunächst arbeitslos. Erst später arbeitete er für das DLR und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und bildete europäische Astronauten in Russland aus. Bis ins hohe Alter ließ ihn die Faszination für die Raumfahrt nicht mehr los. Er soll noch zu seinem 75. Geburtstag gesagt haben, dass er gern erneut in den All fliegen würde. Zuletzt lebte Jähn im brandenburgischen Strausberg bei Berlin. Er hinterlässt eine Frau und zwei Töchter.