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Erste vegane Kita eröffnet in Frankfurt: Tolle Ansätze, ABER….!

In einer Kita wird Schnittlauch geschnitten: Die Frankfurter Vegan-Kita will den Fokus auch  auf saisonale Lebensmittel legen.
In einer Kita wird Schnittlauch geschnitten: Die Frankfurter Vegan-Kita will den Fokus auch auf saisonale Lebensmittel legen. © DPA

Ein Kommentar von Esther Kusch

Kein Fleisch, keine Milch, kein Honig, keine Eier – in Frankfurt eröffnet im Sommer die nach eigenen Angaben erste vegane Kita Deutschlands. Und das spaltet natürlich die Gemüter. Sollten Kleinkinder wirklich rein vegan ernährt werden? Drücken hier Ernährungsextremisten ihren Kindern ein für Kinder ungesundes und vielleicht sogar schädliches Konzept auf? Das vegane Kita-Konzept ungesehen zu verteufeln ist einfach, aber so einfach ist dieses Thema nicht, so schwarz und weiß können wir unsere Welt nicht sehen.

Alle Kinder sollten Zugang zu gesunder Ernährung haben

Zugegeben: Mein erster Gedanke bei einer veganen Kita war: Schwierig! Ich habe mich dann aber etwas genauer mit dem Konzept befasst: Die Frankfurter Kita, gegründet von der Eltern-Initiative Veggie-Kids, möchte das Essen frisch zubereiten. Der Fokus liegt dabei auf saisonalen und regionalen Lebensmitteln. Es sollen ein Koch und eine Ernährungsberaterin angestellt werden. Geplant sind zudem Elternabende zum Thema Ernährung. Die Kinder sollen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung entwickeln, sollen umweltpädagogisch im Frankfurter Grüngürtel angeleitet werden, die Natur aus nächster Nähe erleben. 

Das klingt doch toll. Aber warum ist das auf eine vegane Kita begrenzt? Das klingt für mich nämlich vor allem nach einem Konzept, dass allen Kindern in allen Kita-Formen zu Gute kommen sollte. Eine vegane Kita einer Elterninitiative erreicht aber vermutlich vor allem eine Gesellschaftsklientel: Menschen, die sich ohnehin intensiv mit ihrer Ernährung beschäftigen. Aber das kann den Initiatoren der Kita selbstverständlich nicht zum Vorwurf gemacht werden. "Wir  sind regulär über das 'kindernetfrankfurt' erreichbar, so kann unsere Einrichtung problemlos von allen Eltern gefunden werden, die im Stadtteil nach einer Betreuungslösung suchen. Das schließt ganz explizit auch sozial schwächere Familien und Familien mit ein, für die gesunde Ernährung nicht unbedingt ein Thema ist", sagt Lucien Coy, Mitglied des Vorstands, 'RTL Next'.

Frage 1 von 1:

Wäre das etwas für Sie?

ODER

Kinder sollen lernen, wie unsere Lebensmittel produziert werden

In den Kitas legen wir als Gesellschaft den Grundstein für den Wissenshorizont unserer Kinder. Insbesondere Kinder aus schwierigen Verhältnissen lernen hier Dinge, zu denen sie zuhause möglicherweise nicht den Zugang bekommen. Ich finde es wichtig, dass Kitas bei Kindern ein Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen, ihnen zeigen, wie unsere Lebensmittel produziert werden, wie man sie selber im Garten anbaut, sie in der Küche verarbeitet. Und somit sind wir schon beim Thema Fleisch und Co.: Für mich gehört zu diesem Ernährungswissen und Bewusstsein aber auch, dass Kinder erlernen, wie Fleisch, Milch und Eier produziert werden. Ein Schnitzel entsteht eben aus einem echten Tier und ist nicht eine in Folie abgepackte Masse im Supermarkt. Das erleben Kinder bei Besuchen auf Bauernhöfen, beim Kennenlernen von wertschätzender Tierhaltung und auch durch die maßvolle Verarbeitung von Fleisch, Milch und Eiern.

Ob man dieses Fleisch dann essen möchte, das soll und muss jeder Erwachsene (!) für sich selbst entscheiden, eine rein vegane Ernährung bei kleinen Kindern wird allerdings von vielen Experten als schwierig bis gefährlich eingestuft. So rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung von einer veganen Ernährung für Schwangere, Babys und Jugendliche ab, da sie zu deren ausreichender Versorgung nicht geeignet sei. "Es gibt eine hohe Anforderung an die Nährstoffzufuhr", sagt Sprecherin Antje Gahl.

Auch Dr. med. Hermann Josef Kahl, Pressesprecher der Kinder und Jugendärzte, spricht sich absolut gegen die vegane Ernährung bei Kindern aus, da sich die Kinder noch im Entwicklungsstadium befinden. "Es drohen Anämie, Entwicklungsverzögerungen und sogar bleibende Schäden am Gehirn", sagt er im Interview mit 'RTLNext'. "Eltern laufen Gefahr, dass ihre Kinder ein Leben lang behindert sein können, sie haben Verantwortung für ihre Kinder". Er rät zu einer ausgewogenen Ernährung mit Obst, Gemüse, täglich Milch und ein bis zweimal Fleisch und Eiern pro Woche, das sei ausreichend.

Die Kritik an veganer Ernährung ist den Betreibern bekannt und bewusst, versichert uns Lucien Coy. "Wir haben in Zusammenarbeit mit zwei ausgebildeten Köchen ein umfangreiches, modulares Ernährungskonzept verfasst, das die kindgerechte Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen sicherstellen soll. Ein Schwerpunkt ist dabei der Einsatz von saisonal und idealerweise regional erhältlichen Zutaten – keine Erdbeeren im Dezember, zum Beispiel. Aber auch generell so wenig Produkte, die weit 'reisen' müssen, wie möglich. Dabei sind wir aber nicht dogmatisch." Nahrungsergänzungsmittel sollen die Kinder nicht bekommen. 

Jedes Kind sollte ein Recht auf eine ausgewogene Ernährung haben

"Wir wollen nicht so ein Alufolien-Dings, das warm gemacht wird", sagt Coy zudem der dpa. Richtig, das sollte niemand für seine Kinder wollen, egal ob Vegetarier, Veganer oder Alles-Esser. 

Frisch zubereitete Gerichte und eine ausgewogene und gesunde Ernährung sollten all unseren Kindern zur Verfügung stehen. Dafür brauchen wir keine explizit vegane Kita, sondern ordentlich Budget für alle Kindergärten und Schulen in Deutschland, damit sich der Nachwuchs flächendeckend gesund ernähren kann. So schwer kann das doch nicht sein.

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