Erste Scheidung via Skype: Videochat-Geschäfte könnten schon bald zum Alltag gehören

20. November 2014 - 8:31 Uhr

Auch Banken nutzen Videochats für Kundengeschäfte

Wer bei der Scheidung statt dem Ex-Partner lieber einer Webcam gegenüber sitzen möchte, sollte sich an das Amtsgericht Erfurt wenden: Hier werden nicht nur Trennungswillige, sondern auch Zeugen per Videochat aus Gerichten in verschiedenen Städten zusammen geschaltet. Ein Procedere, das Zeit und Geld spart - und schon bald überall gängige Praxis sein könnte.

Erste Scheidung via Skype durchgeführt.
Können in Zukunft die meisten Geschäfte via Webcam abgeschlossen werden?
© dpa, Martin Gerten

"Teilweise müssen Zeugen für wenige Minuten Aussage 400, 500 Kilometer anreisen", erklärt Georg von Schmettau vom Amtsgericht Erfurt. "Die Kosten, die die Beteiligten tragen müssen, sehr häufig auch die Justiz selbst, können verringert werden."

Auch Banken nutzen Videochats wie Skype. Kunden können so zum Beispiel ganz bequem vom heimischen Sofa aus ein Konto eröffnen oder eine neue Kreditkarte bestellen. Dazu muss der Kunde ein Interview mit einem Sicherheitsdienstleister führen und seinen Ausweis in die Webcam halten.

Datenschützer warnen vor Chatverfahren

Um Betrugsversuche zu verhindern, achten die psychologisch geschulten Interviewer auf Verhaltensmerkmale, die zeigen sollen, ob jemand lügt. Vereinfacht gesagt, ob zum Beispiel die Frage nach dem Geburtsdatum zu langsam beantwortet wird. "Es gibt kein einzelnes Merkmal, das zum Abbruch des Calls führen würde, aber in der Kombination von Auffälligkeiten kommt ein Punkt, wo unser Mitarbeiter angehalten ist, den Call abzubrechen und den Kunden nicht zu identifizieren." Wer es doch durch den Sicherheitscheck schafft, spart den Weg zur Bank oder zur Post.

Datenschützer warnen, dass die Bequemlichkeit mit privaten Daten bezahlt wird. Bei dem Chatverfahren würden "Stimme, Habitus, Körpergröße, Augenfarbe" und andere optische Merkmale des Kunden "dauerhaft gespeichert", erklärt Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter in Hamburg.

Wer damit keine Probleme hat, wird in Zukunft vermutlich alle Geschäfte, die ohne Notar möglich sind, auf diese Art rechtsverbindlich abschließen können. Die Webcam macht's möglich.