Erste Ausläufer treffen US-Ostküste: 'Sandy' bringt schwere Überflutungen

Hurrikan 'Sandy' hat bereits vor seinem Aufprall auf die US-Ostküste Überflutungen und massive Schäden ausgelöst.
© REUTERS, GARY HERSHORN

10. Februar 2016 - 19:03 Uhr

2,2 Millionen Amerikaner ohne Strom

Hurrikan 'Sandy' hat bereits vor seinem Aufprall auf das US-Festland in Teilen der Ostküste mit Überflutungen und massiven Stromausfällen katastrophale Zustände ausgelöst. Der Wirbelsturm steuert auf den Süden New Jerseys mit der Spielermetropole Atlantic City zu. Er peitscht Wasser durch die Straßen der Stadt, Teile der Strandpromenade wurden beschädigt. Er soll ungefähr um 1.00 Uhr MESZ auf die Küste treffen.

Auch in anderen Küstenabschnitten machte sich 'Sandy' mit sintflutartigen Regenfällen, hohem Wellengang und Überflutungen bemerkbar. Dem Sender CNN zufolge sind aktuell insgesamt 2,2 Millionen Amerikaner in mehreren Bundesstaaten von der Stromversorgung abgeschnitten.

In der Millionenmetropole New York brachte der Sturm das öffentliche Leben schon vor seiner Ankunft zum Stillstand. Erste Ausläufer ließen ein mehrstöckiges Haus teilweise zusammenkrachen. Ob Menschen in dem vierstöckigen Haus waren, war zunächst unklar. Zuvor hatten die Windböen bereits einen Kran auf einem Hochhaus auf der West Side in Manhattan umgeblasen. Die beiden New Yorker Stadtautobahnen um Manhattan wurden komplett überflutet. Das Wasser stand knietief auf den sechs Spuren des Franklin D. Roosevelt Drive direkt am East River. Auch der West Side Drive wurde vom Wasser des Hudson überschwemmt.

Schulen, Behörden und öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen. Auch die Wall Street machte erstmals seit 27 Jahren wegen des Sturms für Montag und Dienstag dicht. Busse fuhren nicht, und die U-Bahn wurde ebenso wie viele Straßentunnel aus Angst vor Überflutung gesperrt.

Nach Einschätzung des Hurrikanzentrums in Florida sollte das Auge des Hurrikans noch im Laufe des frühen Abends (gegen 1.00 Uhr MEZ) den äußersten Süden New Jerseys oder den Staat Delaware erreichen. 'Sandy' bewegte sich zuletzt etwas schwächer auf die US-Küste zu. Die Winde in seinem Wirbel erreichten aber 135 Kilometer in der Stunde. Die Experten stuften 'Sandy' von Hurrikan auf Post-Tropensturm herab.

Obama mahnt Bürger zur Vorsicht

Der Sturm wirkte sich bereits auch auf den Endspurt vor der US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. "Dies wird ein großer und mächtiger Sturm", warnte er im Weißen Haus. Er machte aber auch Mut: "Wir werden das zusammen überstehen." Obama rief für Washington und New York sowie für die Bundesstaaten Maryland, Massachusetts und Delaware den Notstand aus.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs 'Bounty' in Sicherheit. Auch eines der beiden vermissten Crew-Mitglieder wurde gerettet. Die 42 Jahre alte Frau sei ohnmächtig aus dem Wasser gezogen und in ein Krankenhaus gebracht worden, berichteten US-Medien. Der 63 Jahre alte Kapitän des Schiffes, das wegen des Hurrikans in Seenot geraten war, werde weiter vermisst.

Die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf etwa drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen. Wegen des Hurrikans sollten allein in New York fast 400.000 Bewohner ihre Häuser verlassen. Insgesamt könnten rund 60 Millionen Menschen die Auswirkungen 'Sandys' zu spüren bekommen, schätzte der Energieversorger National Grid.

Die Menschen in den betroffenen Bundesstaaten deckten sich mit Vorräten ein. Knapp wurden Wasserflaschen, Lebensmittel in Dosen, Taschenlampen und Batterien. Das Zentrum der Hauptstadt Washington glich am Morgen (Ortszeit) einer Geisterstadt. Die Behörden riefen alle Bewohner auf, ab 14 Uhr Ortszeit möglichst nicht mehr die Häuser zu verlassen.

Wetterexperten befürchten, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stoßen könnte. Diese Kombination könnte zum schwersten Unwetter an der Ostküste seit 1991 führen. Damals kamen bei Hurrikan 'Bob' vier Menschen ums Leben, von South Carolina im Süden bis Maine im Norden entstanden hohe Schäden.

Die Schiffe der Navy, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

In der Karibik starben wegen 'Sandy' nach jüngsten Angaben 67 Menschen, davon allein in Haiti 51. Eine gute Nachricht gab es indessen: Sechs in der Karibik vermisste Franzosen sind wohlauf. Nach Angaben der Rettungskräfte waren die vier Männer und zwei Frauen während des Unwetters nicht wie vermutet in einem Boot unterwegs. Sie kehrten demnach erst am Montag von einem Ausflug auf eine Nachbarinsel nach Martinique zurück. Zu diesem Zeitpunkt war 'Sandy' schon vorbeigezogen.