5. April 2017 - 16:43 Uhr

Ist das nur der Anfang?

Dies ist leider kein verfrühter Aprilscherz: Bei 40 von insgesamt 400 Sparkassen in Deutschland müssen die Kunden plötzlich Gebühren fürs Geldabheben bezahlen. Dabei hatte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon im Herbst noch versprochen: Geldabheben bleibt kostenlos. Das Finanzportal 'biallo.de' teilte jedoch jetzt mit, dass je nach Kontomodell bei den ein oder anderen Sparkassen Gebühren von bis zu einem Euro anfallen. Laut eines Berichtes des 'Handelsblatt' ziehen nun die Volksbanken nach.

Wie viele Kunden konkret betroffen sind, ist bislang unklar.

Plötzlich alles leere Versprechungen?

Nicht alle Volksbanken verlangen Gebühren. Einzelne Fillialen böten das Modell schon seit längerer Zeit an, so das 'Handeslblatt'. Außerdem ist die Gebühr von Filiale zu Filiale unterschiedlich, ebenso die Transparenz. Bei der Volks- und Raiffeisenbank Neuwied Linz zum Beispiel ist der Betrag im Internet einsehbar. In Schopfheim-Maulberg allerdings muss man Kunde sein und ein Passwort benutzen. Man kommt beinahe den Eindruck, es handele sich um eine Art Geschäftsgeheimnis

Die Sparkasse hatte ihrerseits vor nicht allzu langer Zeit noch erklärt, dass es Gebühren für das Abheben am Automaten nicht geben werde. "Wir bieten unseren Kunden in Deutschland das dichteste Netz von Geschäftsstellen, Beratern und Geldautomaten. Dafür muss nicht gesondert bezahlt werden. Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben", sagte Fahrenschon damals zur Bild-Zeitung.

Und was ist das dann jetzt? Der Sparkassen- und Giroverband betont im Bezug auf die Meldung: "Das Abheben an einem der rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen ist für Kunden der Sparkassen natürlich nach wie vor kostenlos." Es sei ledigtlich ein bestimmtes Kontomodell, bei dem man für die Abbuchungen zahlen müsse. 

Diese Sparkassen und Kontomodelle sind betroffen

In der Sparkasse in Erding-Dorfen bei München gibt es folgendes Kontomodell: Wenn man sich für das günstigste Angebot entscheidet, darf man zweimal am Schalter und viermal im Monat kostenlos am Automaten Geld mit der Sparkassen-Karte abheben. Danach wird eine Gebühr von 0,29 Euro bei jeder Abhebung fällig.

In der Sparkasse Wittgenstein haben die Kunden fünf Abhebungen im Monat frei. Werden diese überschritten, so müssen die Kunden sogar einen Euro pro Abhebung zahlen.

Ähnliche Modelle haben auch die Sparkassen in folgenden Städten: Sparkasse Hanau, Höxter, Leer-Wittmund, Bayreuth, Bad Honnef, Dinkelsbühl, Heidelberg, Burbach-Neunkirchen, Tauberfranken, Vest Recklinghausen, Schaumburg, Rothenburg, Niederbayern Mitte, Passau, Westholstein, die Kreissparkasse Kelheim, Wittgenstein, Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld, Hilchenbach, Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und Elbe-Elster.

In der Sparkasse Rottach-Inn haben die Kunden nur zwei kostenlose Abhebungen im Monat zur Verfügung. Wird öfter Bargeld am Automaten abgehoben, so wird eine Gebühr von 0,50 Euro fällig.

In 20 Sparkassen muss man sogar schon bei jeder Abhebung am Automaten eine Gebühr von 0,50 Euro zahlen. Das sind zum Beispiel Sparkassen in Grebenstein, Olpe-Drolshagen-Wenden, Mittelfranken-Süd, Kreissparkasse Ahrweiler, Ravensburg, Marburg-Biedenkopf, Euskirchen, Muldental, Förde-Sparkasse, Stadt-Sparkasse Haan, Sparkasse Pfullendorf-Messkirch, Bad Sachsa, Rastatt-Gernsbach, Aurich-Norden, Neckartal-Odenwald, Heidenheim, Kreissparkasse Verden, Vorpommern, Dillenburg und Harzsparkasse.

Laut Bankprofessor Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt ist das auch erst der Anfang: "Eine kostenlose Bargeldversorgung wird es künftig wohl nicht mehr geben." Verbraucherschützer fürchten nun, dass die Banken die Gebührenschraube andrehen, da die Zinsen momentan zu niedrig sind und sie so ihre Einnahmen steigern wollen.