Erschreckende Zahlen: Jeder Deutsche verbraucht mehr als 220 Kilo Verpackungsmüll im Jahr

26. Juli 2018 - 10:39 Uhr

Plastik-Müll: Umweltbundesamt liefert Zahlen für das Jahr 2016

Halbierte Tomaten, geschälte Bananen oder vorgekochte Eier – in Kunststoffschalen umwickelt mit viel Plastik liegen diese und viele weitere Lebensmittel in den Regalen der Supermärkte. Das Problem: Die Verpackungen halten nicht lange und verbreiten letztendlich nur Müll. Und wir sind Spitzenreiter: Nirgends fällt in der EU pro Kopf so viel Verpackungsmüll an wie in Deutschland. Das ergaben jetzt die erschreckenden Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA).

Deutschland liegt weit über dem europäischen Durchschnitt

Ob der abgepackte Salat in der Mittagspause oder das bereits geschnittene Gemüse in Plastikverpackungen – um Zeit zu sparen, greifen wir schnell mal zu Produkten, die letztendlich eine Menge Müll produzieren. Wie das Umweltbundesamt mitteilte, kamen im Jahr 2016 insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll zusammen. Pro Kopf verbraucht der Deutsche jährlich 220,5 Kilo – damit liegt Deutschland weit über dem europäischen Durchschnitt von 167,3 Kilo pro Kopf.

Knapp die Hälfte des Abfallaufkommens, nämlich 47 Prozent, konnte auf Privatverbraucher zurückgeführt werden. Pro Kopf fiel im Privatgebrauch etwas weniger Plastik-Verpackungsmüll an als im Vorjahr, nämlich 24,9 Kilo pro Kopf und Jahr statt wie zuvor 25 Kilo. Laut Umweltbundesamt wurden hier statt Kunststoffverpackungen mehr Aluminium- und Glasverpackungen verwendet. Aber gerade Glas und Aluminium seien sehr energieintensiv in der Herstellung. "Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen, ist nicht immer ökologisch sinnvoll", so die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.

Recycling muss weiterhin gestärkt werden

Als Gründe für den stets hohen Verbrauch von Verpackungen nennt das Umweltbundesamt folgende Funktionen: Dosierhilfen, kleinere Portionen, aufwendige Verschlüsse, den Versandhandel und Essen und Trinken zum Mitnehmen. "Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa", betont Krautzberger. Das Recycling von Plastik und der Einsatz von Recycling-Materialien müsse weiterhin gestärkt werden, um Rohstoffe zu schonen. "Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen."

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Ab 2019 gilt ein neues Verpackungsgesetz

Insgesamt wurden 70 Prozent des Verpackungsmülls recycelt. Ab 2019 gilt ein neues Verpackungsgesetz, das den Unternehmen für Verpackungsrecycling höhere Quoten vorschreibt. Die Lizenzgebühr, die Hersteller für ihre Verpackungen zahlen müssen, muss sich dann auch danach richten, wie leicht oder schwer die Verpackung recycelt werden kann. Die Zahlen für 2017 werden erst im kommenden Jahr veröffentlicht.

Warum Discounter und Supermärkte aus ihrer Sicht noch auf die Plastikverpackungen setzen, sehen Sie im Video.

Quelle: DPA/RTL.de