Erschreckende Zahlen: Ermittlungen bei über 8.000 Missbrauchsfällen ohne Ergebnis eingestellt

12. Oktober 2017 - 11:15 Uhr

Diskussion um Vorratsdatenspeicherung neu entfacht

Es sind erschreckende Zahlen: Allein im letzten Jahr mussten 8.000 Fälle von Kinderpornografie zu den Akten gelegt werden - ohne ein Ergebnis. Das gab das Bundeskriminalamt bekannt. Den Grund dafür sehen die Ermittler vor allem darin, dass das Gesetz eine Vorratsdatenspeicherung ohne jeglichen Anlass nicht zulässt.

Ermittler plädieren für Vorratsdatenspeicherung

Nach Auffassung der Ermittler sollten Daten von allen Internetnutzern auch ohne konkreten Verdacht gespeichert und zu Ermittlungszwecken genutzt werden dürfen. Das haben das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof jedoch für illegal erklärt.

"Wir haben in den letzten vier Jahren die Zahl der Ermittler allein beim BKA um 50 Prozent erhöht. Wir haben aber natürlich auch immer mehr Ermittlungshürden. Eine der größten Hürden ist, dass wir die Täter identifizieren über die sogenannte IP-Adresse. Aber wir haben immer noch keine funktionierende Vorratsdatenspeicherung in Deutschland", so Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts. Kritiker halten die Speicherung für verfassungswidrig und nicht mit dem Datenschutz vereinbar.

Die Polizei sucht nach potenziellen Hintermännern

Dieser Fall hat die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung erneut angefacht: Christian J. (24) soll seine Stieftochter missbraucht und Fotos und Videos von der Tat im Darknet verbreitet haben. In diesem Fall wäre eine Speicherung der Daten allerdings nicht möglich gewesen - hier surfen die User anonym.

Bei dem Verdächtigen handelt sich offenbar um den Lebensgefährten der Mutter des Kindes - die drei lebten gemeinsam in Brake in Niedersachsen in einem Einfamilienhaus. Dort soll er ständigen Zugang zu dem Mädchen gehabt haben. Zwar sucht die Polizei nach potenziellen Hintermännern, geht aber bislang davon aus, dass es sich bei Christian J. um einen Einzeltäter handelt.

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Widerliche Aufnahmen im Darknet verbreitet

Verdächtiger mit Freundin
Der Verdächtige mit seiner Freundin - sie ist offenbar die Mutter des missbrauchten Kindes.
© Facebook

Die Mutter des Kindes war offenbar völlig ahnungslos: Auf Facebook hatte sie laut 'Bild' zuvor von ihrem Traummann geschwärmt. Die beiden sollen sich kennengelernt haben, als das spätere Opfer noch ein Baby war. Die Äußerungen auf Facebook klingen nach Familienglück. Dort erfährt man auch, dass das Paar im Frühjahr 2016 einen gemeinsamen Sohn bekommen haben soll. Nachbarn zufolge hat der Mann sehr unauffällig gelebt. "Den hat man nie gesehen. Ich wusste gar nicht, dass sie überhaupt einen Freund hat", so eine Anwohnerin.

Der Beschuldigte soll das Mädchen zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 mehrfach schwer sexuell missbraucht haben. Er soll Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs gemacht und diese anschließend auf einer kinderpornografischen Plattform im sogenannten Darknet verbreitet haben. Erkannt wurde das Mädchen auf den Fahndungsfotos von seiner Mutter, heißt es.

Polizei will noch weitere Missbrauchsfälle aufklären

Im Haus, in dem der mutmaßliche Täter mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter lebt, seien Beweismittel sichergestellt worden, teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Die Ermittler werten nun Computer und Handy des Mannes aus. Die Ermittler hoffen so, auch anderen Pädophilen auf die Spur zu kommen. Die Polizei nutzt die Identität des Täters und versucht damit, die echten Namen anderer Täter zu ermitteln. Vielleicht lassen sich dadurch noch weitere Missbrauchsfälle aufklären.

Anonymität im Darknet

Die Kinderporno-Szene spielt sich nach Einschätzung von Ermittlern mittlerweile überwiegend im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets ab. Dort können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Dieser Bereich des Internets wird von Menschen genutzt, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben - aber auch von Kriminellen.