Erschreckende Europa-Studie: Homosexualität bleibt Stolperstein

29. Mai 2013 - 20:15 Uhr

Europa-Initiative für Gleichstellung und Akzeptanz gefordert

Noch immer gehören Gewalt und Diskriminierung für viele Homosexuelle in Europa zum Alltag. Das ergab eine Studie, die bei der ersten europäischen Konferenz für die Rechte und die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen präsentiert wurden. Politiker und Verbände fordern nun eine Europa-Initiative für Gleichstellung und Akzeptanz.

Schule und Lesben oft diskriminiert
Gewalt und Diskriminierung gehören für viele Homosexuelle in Europa zum Alltag.
© dpa, Michael Reichel

Seit 1980 werde Homosexualität zwar im Allgemeinen mehr akzeptiert, stellt eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der niederländischen Regierung fest. Doch vor allem in Mittel- und Osteuropa bleibe sie ein Tabu. Die Mehrheit der Bevölkerung in Polen, Bulgarien, Litauen oder Russland verurteilt demnach Homosexualität. "Mehr als 70 Prozent der Russen sind der Ansicht, dass schwule oder lesbische Bürger nicht so leben dürfen, wie sie wollen."

Gewalt und soziale Isolation nehmen sogar zu

Einen europäischen Aktionsplan gegen Diskriminierung forderte die internationale Vereinigung von Lesben und Schwulen auf der Den Haager Konferenz. Trotz neuer Gesetze wie Diskriminierungsverbote oder das Recht zu heiraten nehme Gewalt und soziale Isolation zu, stellt der Verband in seinem 'Europäischen Regenbogen Index' fest. "Diskriminierung ist leider für viele noch immer ein lebenslanger Begleiter", sagte die Direktorin des Verbandes, Evelyn Paradis.

Die niederländische Ministerin für Gleichstellung, Jet Bussemaker, kündigte an, dass sich ihre Regierung für einen europäischen Aktionsplan einsetzen werde. An der zweitägigen Konferenz nehmen zahlreiche Minister unter anderem aus Finnland, Polen, Großbritannien, Belgien und Schweden sowie Vertreter des Europarates und von Menschenrechtsorganisationen teil. Es ist das erste europäische Treffen zum internationalen Tag gegen Homophobie.

Bei schweren Ausschreitungen gegen eine Demonstration von Homosexuellen in der georgischen Hauptstadt Tiflis sind mindestens 17 Menschen verletzt worden. Mit Steinwürfen vertrieben Tausende orthodoxe Gläubige, angeführt von Priestern, einige Dutzend Schwule und Lesben aus der Innenstadt. 13 Verletzte wurden in Kliniken gebracht, wie Medien berichteten. Unter massivem Polizeischutz retteten sich die Homosexuellen in Busse.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen, nachdem Gegendemonstranten die Sicherheitsabsperrungen durchbrochen hatten. Die Schwulen und Lesben wollten ihre Demonstration an einem "sicheren Ort" in den Außenbezirken von Tiflis fortsetzen. Homosexualität ist in Georgien zwar nicht verboten, wird aber von weiten Teilen der Bevölkerung in dem orthodox geprägten Land abgelehnt.