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Erschossener Terrorist sollte wieder vor Gericht - warum attackierte Rafik Y. die Polizistin?

Erschossener Terrorist sollte wieder vor Gericht - warum attackierte Rafik Y. die Polizistin?

Ex-Anwalt: Er war ein "schwieriger Mensch"

Was führte der in Berlin erschossene Islamist im Schilde, als er eine Polizistin angriff? Gerade hatte er eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt. Sein Ex-Anwalt beschreibt Rafik Y. als "schwierigen Menschen", der kürzlich einer Mitarbeiterin der Ausländerbehörde mit Enthauptung gedroht hatte.

ARCHIV - Rafik Y. hält am 15.07.2008 in der Mehrzweckhalle im Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim den Zeigefinger nach oben. Der 41-Jährige war 2008 als Mitglied der Islamistengruppe Ansar-al-Islam wegen eines geplanten Anschlags auf den früheren irakischen Ministerpräsidenten Allawi zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Y. wurde nach Angaben der Behörden, nachdem er am 17.09.2015 Passanten auf einer Straße in Berlin mit einem Messer bedroht hatte, während eines Polizeieinsatzes erschossen. Foto: Marijan Murat/dpa (alternativer Bildausschnitt) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der Iraker Rafik Y. vor dem Oberlandesgericht Stuttgart 2008.
dpa, Marijan Murat

Er sollte wegen Bedrohung einer Richterin erneut vor Gericht. Der 41-jährige Iraker sei Ende Juni angeklagt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Berlin. Auch eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde soll der Mann mit den Worten "Wir werden Euch köpfen" bedroht haben. Laut Staatsanwaltschaft wurde die Wohnung des Islamisten durchsucht, Unterlagen seien mitgenommen worden. Diese würden jetzt ausgewertet.

Der Islamist war am Donnerstag von einem Polizisten erschossen worden, nachdem er dessen Kollegin mit einem Messer angegriffen und verletzt hatte. Die 44 Jahre alte Polizistin wurde außerdem von einem Schuss ihres Kollegen getroffen, der sie schützen wollte. Sie wurde noch am Donnerstag operiert. Es gehe ihr nun ihren Umständen entsprechend gut, wie ein Sprecher sagte. Ihr Zustand sei stabil.

Rafik Y. bewegte sich in einer "psychologischen Grauzone"

Der Iraker war 2008 vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und versuchter Beteiligung an einem Mord zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er galt als Chefplaner eines vereitelten Anschlags auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi in Berlin im Jahr 2004. Im März 2013 kam Y. nach Verbüßung der Haft frei. Er musste eine elektronische Fußfessel tragen, die er vor der Tat abnahm.

Sein früherer Anwalt zeigte sich von dem gewaltsamen Tod von Rafik Y. wenig überrascht. "Das wundert mich nicht. Er war ein sehr schwieriger Mensch", sagte Rechtsanwalt Reinhard Kirpes. Er hatte ihn vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verteidigt. Schon während des Verfahrens sei Rafik Y., der seine Haft voll verbüßte, auffällig gewesen. "Ich hatte damals den Eindruck, dass er sich in einer psychologischen Grauzone bewegt."

Es gab ein psychiatrisches Gutachten. Dies sei zu dem Schluss gekommen, der Mann habe keine erhebliche Störung. Sein Mandant sei hektisch und gehetzt gewesen. "Aus meiner Sicht hatte er einen gewissen Realitätsverlust in der Wahrnehmung", sagte der Offenburger Anwalt.

Das damalige Gerichtsverfahren sei für alle Beteiligten schwierig gewesen, sagte Kirpes. Rafik Y. beschimpfte im Gerichtssaal sowohl die zwei Bundesanwältinnen als auch die Senatsvorsitzende. Er stritt aber auch mit seinem Anwalt. In den letzten Jahren habe er keinen Kontakt mehr zu seinem damaligen Mandanten gehabt.