Erschossener Angreifer von Paris war der deutschen Polizei lange bekannt

11. Januar 2016 - 12:07 Uhr

"Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist"

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann ist der deutschen Polizei seit langem bekannt gewesen und war sogar schon inhaftiert. Er habe unter verschiedenen Identitäten Straftaten verübt und eine einmonatige Freiheitsstrafe unter anderem in Heinsberg, Iserlohn und Bochum abgesessen, sagte der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob.

Erschossener Angreifer von Paris war der Polizei lange bekannt
Das Landeskriminalamt veröffentlichte dieses Foto des Attentäters.
© dpa, Roland Weihrauch

Gegen ihn sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden. Der Mann lebte bis Dezember in Recklinghausen. In seinen Räumen wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Der Angreifer sei 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. «Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist», sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine "Aufenthaltsgestattung" bekommen.

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin 'Charlie Hebdo', an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn. Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes, sagte Jacob. Bei Durchsuchungen in dem Recklinghäuser Asylbewerberheim seien Datentäger, Handy-Sim-Karten und Zettel in arabischer Sprache sichergestellt worden.

Lange Liste an Straftaten

Das Strafverfahren gegen ihn in Bezug auf die IS-Fahnen sei wieder eingestellt worden. "Wenn jemand zwei IS-Fahnen gezeichnet hat, heißt das nicht, dass wir ihn rund um die Uhr bewachen können", sagte Jacob auf die Frage, ob die Behörden Fehler gemacht hätten. Nach französischen und deutschen Angaben wurden bei dem erschossenen Angreifer Personalpapiere gefunden, die ihn als Tarek Belgacem auswiesen. Ein Mann unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Schon 2014 wurde er zudem vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Mann in der Silvesternacht, als es zu massenhaften Übergriffen in Köln kam, wohl nicht in Deutschland. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve soll sich der Mann auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben. Auch Cazeneuve sagte französischen Medien auf die Frage, ob der Angreifer möglicherweise Komplizen gehabt habe: "Meines Wissens nicht". Ermittler fanden bei dem Erschossenen ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte.