Mehr Polizisten beteiligt als bisher angenommen

Drogenskandal bei Münchner Polizei: Ermittlungen gegen 21 Polizeibeamte und 17 weitere Beschuldigte

23. September 2020 - 19:28 Uhr

Ermittlungen gegen 21 Polizeibeamte und 17 weitere Beschuldigte

Am frühen Mittwochmorgen hat es in München erneut große Durchsuchungen bei der Polizei gegeben. Der Drogenskandal rund um Beamte der Münchner Polizei wächst somit weiter. An der aktuellen Aktion waren rund 200 Beamte beteiligt, 30 Wohnungen und 7 Dienststellen wurden durchsucht. Ein Großdrogendealer, der in einem Fall als Kronzeuge ausgesagt hatte, gab 2018 den Hinweis auf zwei beteiligte Polizeibeamte.

Hinweis kam von einem Drogendealer

"Die Ermittlungen sind so umfangreich geworden, dass seit Juli 2020 das Landeskriminalamt eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet hat, die Ermittlungsgruppe "Nightlife". (…) Wir haben alleine bei den zuvor sichergestellten 20 Mobiltelefonen 1,6 Millionen Chatnachrichten, 25.000 Videodateien und eine Million Bilddateien zu sichten", erklärt Anne Leiding von der Staatsanwaltschaft München in unserem Video. Und das sind alleine die Erkenntnisse der Einsätze vor den Durchsuchungen am Mittwoch. Nach aktuellem Stand wird mittlerweile gegen 21 Polizeibeamte ermittelt.

Das sind die Vorwürfe gegen die Beamten

Es geht vor allem um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Anti-Doping-Gesetz. Außerdem besteht in einzelnen Fällen der Verdacht auf Verfolgung Unschuldiger, Verwahrungsbruch und Strafvereitelung im Amt. Diese Vorwürfe seien aus Sicht der Ermittler besonders gravierend, erklärt Anne Leiding. Sie gibt dazu folgendes Beispiel: "Bei dem dienstlichen Verwahrungsbruch handelt es sich um einen Fall wo ein Polizeibeamter eine geringe Menge Kokain abgezweigt hat und die Strafvereitlung besteht in diesem Fall dann darin, dass mehrere Kollegen das mitbekommen haben und das weder verhindert noch gemeldet haben."

Außerdem will die Staatsanwaltschaft Missverständnissen vorbeugen: "Es war nicht so, dass die 21 Polizeibeamten jetzt einen großen eigenen Drogenring aufgebaut hätten und da in Konkurrenz getreten wären zu anderen Rauschgifthändlern in und um München. Sondern es geht im Wesentlichen darum, dass sie sich selbst Drogen beschafft haben und untereinander sich mit diesen Drogen versorgt haben." Bei den heutigen Durchsuchungen konnten erneut Beweismittel sichergestellt werden. Nun geht die Auswertung weiter.