Ermittlungen nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Amris Kontaktperson in der Hauptstadt festgenommen

29. Dezember 2016 - 9:30 Uhr

Handyauswertung brachte Ermittler auf die Spur des Tunesiers

Gut eine Woche nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hat die Bundesanwaltschaft einen möglichen Kontaktmann des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri vorläufig festnehmen lassen. Der Zugriff erfolgte in Berlin. Nach einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft handelt es sich um einen 40 Jahre alten Tunesier.

Amri habe in seinem Mobiltelefon dessen Rufnummer gespeichert gehabt. Die weiteren Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Mann in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Am Mittwochmorgen hatten Einsatzkräfte des BKA die Wohn- und Geschäftsräume des Mannes in Tempelhof durchsucht und ihn verhaftet. Bis zum Donnerstag werde nun geprüft, ob Haftbefehl gegen den 40-Jährigen beantragt werde.

Flüchtete Amri durch die Niederlande Richtung Italien?

epa05689911 In this image made available 28 December, 2016, by Italian police, suposedly showing Anis Amri, the main suspect in Berlin's deadly Christmas market attack at the central train station in Turin, Italy, 23 December, 2016. Italian police sa
Hier sollen Überwachungsbilder Amri am Turiner Hauptbahnhof zeigen.
© dpa, Italian Police Press Office, ed

Parallel prüfen die Ermittler, ob Amri bei seiner Flucht auch durch die Niederlande reiste. Im Rucksack des am Freitag in Italien erschossenen Tunesiers wurde eine niederländische Sim-Karte gefunden, wie die dpa von Ermittlern in Mailand erfuhr.

Amris Leiche befindet sich nach wie vor in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist. In Rom soll in den kommenden Tagen geklärt werden, ob Amri mit derselben Waffe auf die Polizisten in Mailand schoss, mit der auch der polnische Lastwagenfahrer bei dem Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz getötet wurde. Dafür soll eine Kopie des Projektils von Deutschland nach Italien geschickt worden sein. Deutsche Ermittler befinden sich derzeit nicht im Land.

Noch immer ist unklar, warum sich Amri nach Italien absetzte. Die Behörden prüfen, ob der 24-Jährige im Land Unterstützer hatte. Er war 2011 als Flüchtling nach Italien gekommen, wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt und verbüßte diese in verschiedenen Gefängnissen.