Ermittlungen gegen SPD-Mann Linus Förster: Kinderpornografie, sexueller Missbrauch, Körperverletzung

Förster bleibt vorerst in Untersuchungshaft, entschied das Augsburger Amtsgericht.
Förster bleibt vorerst in Untersuchungshaft, entschied das Augsburger Amtsgericht.
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20. Dezember 2016 - 8:09 Uhr

Beschlagnahmte Unterlagen erhärteten Verdacht auf weitere Straftaten

Neue Vorwürfe in der Affäre um den bayerischen SPD-Politiker Linus Förster: Erst ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung und illegal gemachter Bilder einer Frau - jetzt sind neue, noch gravierendere Vorwürfe dazugekommen.

Der bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster ist jetzt auch wegen des Besitzes von Kinderpornos im Visier der Ermittler. Die Polizei verhaftete den 51-Jährigen am Donnerstagabend. Zuvor hatte eine Ermittlungsrichterin nach Angaben der Augsburger Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erlassen. Das Amtsgericht Augsburg hat entschieden, dass Förster vorerst in Untersuchungshaft bleibt.

Die Vorwürfe lauten nun schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, vorsätzliche Körperverletzung und Besitz kinderpornografischer Schriften. Bislang war nur bekannt, dass gegen Förster wegen Verdachts der Körperverletzung ermittelt wird. Zudem soll er illegal Bilder einer erwachsenen Frau gemacht haben. Sein Anwalt Walter Rubach wollte sich zunächst nicht zu den neuen Vorwürfen äußern. Die Auswertung beschlagnahmter Unterlagen und weitere Ermittlungen hätten den dringenden Verdacht auf die neuen Straftaten ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. "Im Hinblick auf die weiter laufenden Ermittlungen werden keine weiteren Auskünfte zu den einzelnen, dem Haftbefehl zu Grunde liegenden Sachverhalten erteilt."

Unmittelbar nach Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Mitte November hatte Förster seine Posten als Bezirksvorsitzender der SPD in Schwaben und als Vize-Vorsitzender des Europa-Ausschusses im Landtag ruhen lassen. Später kündigte er dann auch an, sein Landtagsmandat zum Ende des Jahres niederzulegen.

Damit die Staatsanwaltschaft schon früher als geplant umfänglich gegen den 51-Jährigen ermitteln kann, hatte der Landtag am Mittwochabend die Immunität des Politikers aufgehoben. Das ist nötig, damit die Behörde zum Beispiel Anklage erheben oder einen Strafbefehl erlassen kann. 2014 hatte die Affäre des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy für Schlagzeilen gesorgt. Gegen ihn wurde wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt, weshalb er sein Bundestagsmandat niederlegte. Das Gerichtsverfahren wurde gegen die Zahlung von 5.000 Euro eingestellt.