Ermittler nehmen Trump-Schwiegersohn ins Visier - US-Präsident wehrt sich gegen "Faule Geschichte"

Donald Trump und sein Schwiegersohn Jared Kushner stehen im Ermittlungsvisier.
© dpa / AP, Andrew Harnik

15. Juni 2017 - 8:47 Uhr

Wende in der Russland-Affäre

In der Russland-Affäre hat Sonderermittler Robert Mueller einem Bericht zufolge die geschäftlichen Beziehungen von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, ins Visier genommen. Mueller untersuche Kushners Finanzen und geschäftliche Beziehungen, berichtete die 'Washington Post'. Auch US-Präsident Trump hat Stellung zu den Ermittlungen gegen ihn bezogen - wie üblich auf Twitter.

Kushner im Fokus der FBI-Ermittlungen

Kushner hatte sich vor Trumps Amtsantritt mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak sowie einem Moskauer Bankier getroffen. Deswegen soll er mit im Fokus der Ermittlungen des FBI stehen. Die Bundespolizei ermittelt unter Führung Muellers zu möglichen Absprachen zwischen russischen Offiziellen und Trumps Wahlkampfteam vor der Präsidentschaftswahl im November 2016.

Bei dem Treffen mit Kisljak vor Trumps Amtsantritt habe Kushner vorgeschlagen, eine abhörsichere Kommunikationsleitung zwischen Vertrauten von Trump und dem Kreml einzurichten. Diese sollte demnach über russische Einrichtungen in den USA laufen.

Ein Anwalt Kushners sagte der 'Washington Post', man wisse nicht, worauf sich der Bericht beziehe. "Es würde der gängigen Praxis entsprechen, dass ein Sonderermittler finanzielle Unterlagen überprüft, um nach Verbindungen zu Russland zu suchen", hieß es in einer Stellungnahme des Anwalts Jamie Gorelick. Kushner habe sich bereits dazu bereit erklärt, dem Kongress Auskunft über alles zu geben, was er zu Russland wisse. Er werde dasselbe bei jeder anderen Untersuchung tun.

"Ungeheuerlich, unentschuldbar und illegal"

"Sie haben eine faule Geschichte zu Absprachen mit den Russen erfunden, jetzt versuchen sie es mit Justizbehinderung bei ihrer faulen Geschichte. Hübsch", heißt es in einem Tweet von Trump. Zuvor war bekannt geworden, dass Trump in der Russland-Affäre erstmals persönlich im Kreuzfeuer steht. Geprüft wird der Vorwurf, er habe unzulässigen Einfluss auf die Justiz genommen.

Robert Mueller, Sonderermittler in der Russland-Affäre, hat die Ermittlungen gegen Trump aufgenommen, wie die 'Washington Post' berichtet. Dem Bericht zufolge haben die Ermittlungen am 9. Mai begonnen, nachdem FBI-Chef James Comey entlassen worden war. Mueller soll, wie das FBI und mehrere Kongressausschüsse, klären, ob Russland die Präsidentenwahl im vergangenen Jahr zugunsten Trumps beeinflusste und ob es geheime Absprachen zwischen dessen Team und der Regierung in Moskau gab.

Der republikanische US-Senator hatte kürzlich dem Sender 'CBS' über Trump gesagt: "Dies könnte der erste Präsident in der Geschichte sein, der untergeht, weil er nicht damit aufhören kann, unangemessen über genau die Ermittlungen zu sprechen, die ihn ja reinwaschen könnten - wenn er nur still wäre".

Trump könnte Sonderermittler Mueller feuern

US-Sonderermittler Robert Mueller
US-Sonderermittler Robert Mueller hat einem Zeitungsbericht zufolge Ermittlungen gegen Präsident Donald Trump aufgenommen.
© REUTERS, Larry Downing, LR/HK/CLH/DN

Zuletzt hatte es aus dem Umfeld des Präsidenten geheißen, Trump erwäge eine Entlassung von Sonderermittler Mueller. Dieser sei nicht neutral. Das Weiße Haus hatte dem aber widersprochen. Anders als ein unabhängiger Sonderermittler des Kongresses, wie etwa in der Watergate-Affäre, hat Mueller aber eine Position, in der er theoretisch vom Präsidenten entlassen werden könnte. Mueller war der Vorgänger von James Comey als Chef des FBI und genießt einen exzellenten Ruf als Ermittler. 

Comey hatte noch zu seiner Amtszeit Trump mehrmals - teils auf dessen Nachfrage - versichert, dass der Präsident selbst nicht Gegenstand von Ermittlungen des FBI ist. Dies habe sich kurz nach der Entlassung Comeys am 9. Mai geändert, berichtete die 'Washington Post' nun. Unklar blieb zunächst, ob Trumps Äußerung gegenüber Comey, er möge die Ermittlungen gegen Flynn fallenlassen, der einzige Anhaltspunkt sind.