Kritiker: Armut wird zementiert

Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ab Januar 2020: Es gibt acht Euro mehr

18. September 2019 - 19:14 Uhr

Am Ende des Monats ist das Geld oft knapp

Millionen Menschen in Deutschland leben von der staatlichen Grundsicherung. Die wird im Volksmund "Hartz IV" genannt und soll das Existenzminimum abdecken. Damit die Empfänger ein normales Leben führen können, steigen die Sätze ab Januar 2020 um acht Euro. Weil die durchschnittlichen Löhne weit mehr zulegen, gibt es an der Erhöhung Kritik.

Doch für viele Familien, bedeutet die Erhöhung schon viel. Bei Familie Roth-Hartwig wird das Essen zum Ende des Monats schon mal knapp, wie sie zukünftig haushalten können und was sie sich wünschen, erzählen Christin und Sven eindrucksvoll im Video.

Diese Hartz IV-Sätze gelten ab Januar 2020

5,6 Millionen Menschen in Deutschland leben von staatlicher Grundsicherung Hartz IV. Sie sollen ab Januar 2020 etwas mehr Geld erhalten.

* Das Bundeskabinett erhöhte den Regelsatz für alleinstehende Langzeitarbeitslose von bislang 424 auf 432 Euro.

* Die Grundsicherung für Paare steigt von 382 auf 389 Euro je Partner.

Wenn sich Preise und Löhne verändern, müsse sich das auch in den Leistungssätzen für Bezieher von Grundsicherung und Sozialhilfe niederschlagen, erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

Weil gerade Kinder in einkommensschwachen Familien unter der knappen Haushaltskasse leiden, erhöhen sich auch die Sätze für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten:

* Für Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren steigt der Satz von 245 auf 250 Euro.

* Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren bekommen sechs Euro mehr und damit 308 Euro.

* Der Satz für Jugendliche unter 18 Jahren steigt ebenfalls um sechs auf 328 Euro.

* Nichterwerbstätige Erwachsene unter 25 Jahren, die im Haushalt der Eltern wohnen, erhalten ab Januar 345 Euro statt bislang 339 Euro. Dieser Satz gilt auch für Volljährige in stationären Einrichtungen.

Wohlfahrtsverband: Kindern bleiben Türen verschlossen

In die Berechnung fließt sowohl die Preis- als auch die Lohnentwicklung ein. Die Preisentwicklung wird dabei mit 70 Prozent gewertet, die Nettolohnentwicklung mit 30 Prozent. Die Berechnung der neuen Regelsätze legt eine Preissteigerung von 1,3 Prozent zugrunde, bei den Nettolöhnen kommt man auf 3,22 Prozent. Die Regelbedarfe erhöhen sich demnach um rund 1,9 Prozent.

Heil betonte, es gehöre "zum Kern unseres sozialen Rechtsstaates, dass alle Menschen über genügend finanzielle Mittel verfügen, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben". Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband übte Kritik an den Regelsätzen.

Nach neuesten Berechnungen der Forschungsstelle des Verbands müssten die Regelsätze auf mindestens 582 Euro steigen: Das sind 150 Euro mehr, als die Empfänger nach der Erhöhung bekommen. Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider kritisierte: "Damit wird Armut in Deutschland weiter zementiert und die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben." Besonders schlimm sei Armut für Kinder, denen viele Türen verschlossen blieben.