Es brodelt zwischen Paris und Ankara

Erdogan beleidigt Macron: Er soll „geistigen Zustand überprüfen lassen“

26. Oktober 2020 - 10:17 Uhr

Neue Attacke Erdogans auf Macron

Es gab auch bessere Tage in den Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich. Seit Monaten brodelt es zwischen den beiden Ländern. Nach einer neuen Verbalattacke des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogans gegen den französischen Staatschef zieht Frankreich nun Konsequenzen.

„Die Worte von Präsident Erdogan sind inakzeptabel“

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat seinen Botschafter in Ankara am Sonntag zurückgerufen. "Die Worte von Präsident Erdogan sind inakzeptabel", zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstagabend die Begründung aus dem Élyséepalast. "Wir lassen uns nicht auf unnütze Auseinandersetzungen ein und akzeptieren keine Beleidigungen", hieß es demnach weiter. Man fordere den türkischen Präsidenten auf, den Kurs seiner gefährlichen Politik zu ändern.

Erdogan kritisiert Macron nach Kampfansage gegen Islamismus

Erdogan hatte zuvor am Samstag bei einem Kongress seiner Partei AKP in Kayseri in Zentralanatolien gegen "besorgniserregende Anzeichen einer wachsenden Islamfeindlichkeit in Europa" gewettert. Als Beispiel nannte er unter anderem Macron, der nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty vor gut einer Woche dem radikalen Islamismus in Frankreich den Kampf angesagt hatte. Paty war von einem 18-Jährigen mit russisch-tschetschenischen Wurzeln getötet worden, nachdem er im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

Der Élysée merkte dem Bericht zufolge an, dass nach der Ermordung Patys keine "Botschaft des Beileids und der Unterstützung" vonseiten Erdogans erfolgt sei. Macron wirbt für einen Islam, der "mit den Werten der Republik" vereinbar ist. Die strikte Trennung von Staat und Kirche gilt als ein Grundprinzip der französischen Verfassung.

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„Was für ein Problem hat diese Person namens Macron mit dem Islam und Muslimen?“

"Was für ein Problem hat diese Person namens Macron mit dem Islam und Muslimen?", fragte Erdogan bei der Veranstaltung am Samstag. Macron gehöre in psychologische Behandlung, er solle seinen "geistigen Zustand überprüfen lassen", fügte der türkische Präsident hinzu. Sein französischer Amtskollege verstehe die Glaubensfreiheit nicht.

Bei derselben Veranstaltung hatte sich Erdogan auch kritisch zu einer Polizeirazzia in einer Berliner Moschee geäußert. Am Mittwoch hatten etwa 150 Polizisten in der deutschen Hauptstadt mehrere Firmen und eine Moschee wegen des Verdachts auf Corona-Subventionsbetrug durchsucht. Erdogan hatte den Vorgang zuvor auf Twitter als rassistisch und islamfeindlich bezeichnet.

Beleidigungen und Provokationen

Verbalattacken Erdogans gegen Macron sind nicht unbedingt neu. Im vergangenen November hatte der türkische Präsident bereits die psychische Gesundheit des Franzosen in Frage gestellt. Damals hatte Macron dem Verteidigungsbündnis Nato den "Hirntod" attestiert. Erdogan sagte anschließend, Macron solle besser seinen eigenen Hirntod untersuchen lassen.

Beleidigungen und Provokationen von Erdogan habe es im Laufe des Sommers fast jede Woche gegeben, zitierte AFP den Élyséepalast. Diesmal gehe es aber auch um "den Kontext".