Erdloch-Rettung: Polizei will Aktivisten retten

17. November 2012 - 10:17 Uhr

Aktivist soll heute befreit werden

Wie ein Maulwurf hat sich ein Mann mehrere Meter in den Boden eines Waldes in Nordrhein-Westfalen eingegraben. Doch es handelt sich nicht um eine lustige Aktion, sondern um bitteren Ernst: Für den Mann, denn er protestiert für den Umweltschutz - aber auch für die Polizei, denn sie kann ihn nicht befreien und sieht das Leben des Demonstranten in Gefahr.

Erdloch-Rettung, Umwelt-Aktivist, Hambacher Forst
Anhand dieser Grafik wird deutlich, wie tief sich der Aktivist in der Erde befindet. Heute will ihn die Polizei retten.

Am umstrittenen Braunkohletagebau Hambach hat sich der Umweltaktivist metertief in die Erde eingegraben, um die Räumung eines Waldbesetzer-Camps aufzuhalten. Die Polizei versuchte in den vergangenen Tagen den jungen Mann zu befreien. Heute wird ein neuer Versuch gestartet. "Ja, der Mann ist noch immer da unten", sagt ein Polizeisprecher am Morgen. Der Plan sei nun, ihn im Laufe des Tages rauszuholen. Wie genau, das konnte er aber nicht sagen.

Die Einsatzkräfte müssen sehr vorsichtig sein, sagte eine Sprecherin der Polizei im Rhein-Erft-Kreis. Der Mann hat ein Tunnelsystem gegraben, das womöglich einstürzen könnte. Er ist zwar nicht zu sehen, man steht aber immerhin in Kontakt zu ihm. Dennoch macht sich die Polizei Sorgen um die Gesundheit des Mannes. Über Schläuche wird er mit Sauerstoff versorgt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er seit Dienstagmorgen in dem Tunnel ausharrt.

Protest gegen Braunkohlegewinnung

Umweltaktivisten hatten seit April ein Gebiet im Hambacher Forst westlich von Köln besetzt. Sie wehren sich gegen die Abholzung des Waldes für die Braunkohlegewinnung. Ein Großaufgebot von rund 500 Polizisten hatte am Dienstag begonnen, das Camp der Besetzer zu räumen. 23 Aktivisten kamen zwischenzeitlich in Gewahrsam.

Der Mann, der sich eingebuddelt hat, ist der letzte Aktivist, nach dem die Polizisten noch suchen. Einen zweiten holten die Beamten von einem Baum herunter. Der Mann kam mit einer leichten Unterkühlung in ein Krankenhaus.