Erdgasförderung löst leichte Erdbeben im Kreis Verden aus

Ein Seismogramm zeigt ein Erdbeben an. Foto: Martin Gerten/dpa/Archivbild
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21. November 2019 - 14:40 Uhr

Die Gasförderung hat im Landkreis Verden erneut leichte Erdbeben ausgelöst. Insgesamt drei Beben mit unterschiedlichen Stärken erschütterten am Mittwochabend die Region: Nach Angaben des Niedersächsischen Erdbebendienstes beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover bebte der Boden zunächst am Mittwochabend um 18.28 Uhr mit einer Stärke von 3,2. Zum Vergleich: Ein starkes Beben hat etwa Werte um 6,0.

Danach registrierten Messgeräte um 20.52 Uhr eine weitere, leichte Erschütterung mit der Stärke 1,5. "Das spürt man aber nicht", erklärte ein LBEG-Sprecher. Erst ab etwa 1,9 oder 2,0 könnten Betroffene etwas wahrnehmen. Am späten Abend gab es dann um 22.32 Uhr ein Beben mit einer Stärke von 3,0. Alle Erschütterungen hatten ihr Epizentrum südlich von Kirchlinteln am südöstlichen Rand des Erdgasfeldes Völkersen.

Innerhalb weniger Minuten gingen am Mittwochabend zahlreiche Anrufe bei Polizei und Rettungsleitstelle ein. Allein auf der Wache der Polizei Verden zählten die Beamten nach eigenen Angaben 30 Meldungen. Ein Anrufer habe Schäden an seinem Haus entdeckt, Verletzte seien aber nicht gemeldet worden, hieß es.

"Der Zusammenhang mit Erdgasförderung ist sehr wahrscheinlich", sagte der LBEG-Sprecher. Davon geht auch das Unternehmen Wintershall Dea aus, das dort Erdgas fördert. Wintershall Dea bedauere die Unannehmlichkeiten, die entstanden seien, hieß es in einer Mitteilung. Einige Menschen hätten Risse am Putz ihrer Häuser festgestellt, sagte ein Unternehmenssprecher. Betroffene hätten die Gelegenheit, bei einer Hotline ihren Schaden zu melden. Ziel sei es in solchen Fällen, zügig zu helfen.

Bis zum Donnerstagmorgen hatten sich nach LBEG-Angaben etwa 60 Menschen gemeldet, die die Erschütterungen wahrgenommen hatten. Das Geologie-Landesamt stellt für die Erfassung von Erdbeben ein Formular bereit, das Betroffene online ausfüllen können. Die dort eingegebenen Daten helfen den Experten nun, genau zu untersuchen, warum es an diesem Mittwoch zu den leichten Erdbeben im Kreis Verden kam.

Im tiefen Untergrund entstehen bei der Erdgasförderung Spannungen. Wenn diese an Schwächezonen im Untergrund impulsartig abgebaut werden, kann es zu Beben an der Oberfläche kommen.

Niedersachsen ist im Gegensatz zum Rheinland oder Vogtland keine typische Erdbebenregion, wie der LBEG-Sprecher beschrieb. An einigen Orten würden aber öfter Beben registriert. Das zuvor stärkste Erdbeben im Kreis Verden hatte am 22. April 2016 eine Stärke von 3,1. Das letzte Erdbeben (2,5) wurde am 11. Dezember 2017 gemessen.

Erste Erschütterungen im Kreis Verden seien schon 2010/11 festgestellt worden, sagte der Sprecher von Wintershall Dea. Dabei werde dort schon seit Beginn der 1990er Jahre Erdgas gefördert.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten die Regierung dazu auf, komplett aus der Erdgasförderung auszusteigen. Die Anwohner und die Umwelt sollten dadurch geschützt werden, betonte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Imke Byl.

Quelle: DPA