Erdbeben in Nepal: So schlimm ist die Lage in den Bergdörfern

30. April 2015 - 19:59 Uhr

RTL-Reporter Oliver Beckmeier berichtet aus Nepal

Langsam gelingt es ersten internationalen Hilfsorganisationen, in die Bergdörfer nahe des Epizentrums des heftigen Erdbebens in Nepal vorzudringen. Darunter ist auch ein Ärzteteam der deutschen Organisation Humedica. Sie leisten derzeit im Ort Chautara erste Hilfe. RTL-Reporter Oliver Beckmeier hat die drei Mediziner bei ihrer schwierigen Mission begleitet.

Erdbeben in Nepal: So schlimm ist die Lage in den Bergdörfern
"Die Menschen hier in der Region stehen vor den Trümmern ihrer Existenzen."
© REUTERS, HANDOUT

In der Region Sindhupalchock sind fast alle Häuser zerstört. Rund 1.300 Tote sind alleine hier zu beklagen. Ein Stück weiter, in einem Camp in Chautara, kommen auch Tage nach dem Beben noch Verletzte an - mit traumatischen Erlebnissen: "Die Druckwelle des Bebens hat mich aus dem Fenster geschleudert", erzählt sie uns. "Dann brach das Haus zusammen." Eine andere Frau berichtet: "Ich war unter den Trümmern begraben. Mit letzter Kraft habe ich um Hilfe gerufen. Dann würde ich gefunden."

Auch wenn die deutschen inzwischen eingetroffen sind, können sie nicht viel machen. Denn ihre Ausrüstung ist bisher nur teilweise in Nepal angekommen. Zuschauen statt helfen - En Wettlauf gegen die Zeit! "Die Menschen hier in der Region stehen vor den Trümmern ihrer Existenzen. Die internationale Hilfe wird dringend gebraucht", berichtet Beckmeier.

Es mangelt an allem

Trümmer, fehlende Logistik und der schlechte Handy-Empfang erschweren den Helfern die Arbeit im Erdbebengebiet. Das berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha). Auch bestehe die Gefahr weiterer Erdrutsche in dem Himalaya-Land, weil es derzeit ständig regnet. Bei dem Beben der Stärke 7,8 am Samstag waren nach Angaben vom Donnerstag in Nepal mindestens 5.489 Menschen ums Leben gekommen. In den Nachbarländer Indien und China zusammen starben wenigstens 100 Menschen. Helfer fürchten, dass die Zahl noch deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen in Nepal erreicht werden.

Außerhalb der Hauptstadt Kathmandu sei die Suche nach Verschütteten und Auslieferung von Hilfsgütern "noch immer eingeschränkt", erklärte die UN weiter. Manche Gegenden könnten nur zu Fuß erreicht werden, seien aber vier bis fünf Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Es stünden nur zwei Helikopter zur Verfügung, um Nahrungsmittel im Distrikt Gorkha zu verteilen, wo das Epizentrum des Bebens lag. Auch gebe es nicht ausreichend Treibstoff.

Zahlreiche Bewohner Nepals sind wütend auf die Regierung ihres Landes. Sie glauben, dass nicht genug getan wird, um Lebensmittel und Wasser zu verteilen. Als Premierminister Koirala den Stadtteil Basantapur in Kathmandu besuchte, hätten zahlreiche Überlebende ihn umzingelt und ihrem Zorn Ausdruck verliehen, berichtete die Zeitung 'Kantipur' online. Hunderte Menschen hätten auch vor Regierungsgebäuden demonstriert. Sie forderten demnach, die Regierung solle Busse zur Verfügung stellen, damit sie Kathmandu verlassen und zu Verandten fahren können.