Erdbeben in Mexiko: Symbol der Hoffnung 'Frida Sofia' ist nur ein Phantom

22. September 2017 - 9:47 Uhr

Das Mädchen 'Frida Sofia' existiert nicht

Millionen Menschen haben nach dem schweren Erdbeben in Mexiko vergeblich um die Rettung eines angeblich in den Trümmern einer eingestürzten Schule verschütteten Mädchens gebangt. Ein dort vermutetes Kind namens 'Frida Sofia' gebe es nicht, sagte der Vizechef der Marine, Admiral Ángel Enrique Sarmiento. Die Marine koordinierte die Rettungsarbeiten an der Schule 'Enrique Rébsamen' in Mexiko-Stadt. "Wir haben eine Zählung zusammen mit der Direktion der Schule gemacht und haben Gewissheit", sagte Sarmiento. Zuvor hatten Medien weltweit unter Berufung auf Helfer von dem Phantommädchen 'Frida Sofía' berichtet, das unter den Trümmern noch am Leben sei.

'Frida Sofia' wurde zum Symbol der Hoffnung nach dem Erdbeben in Mexiko

Mittlerweile ist die Opferzahl von 250 auf über 270 Tote gestiegen, wie das Innenministerium mitteilte. Davon starben allein in Mexiko-Stadt 137 Menschen. Mit Wärmebildkameras wird weiter versucht, mögliche Überlebende des Erdbebens zu orten. Nach Angaben des Militärs könnte sich in der Grundschule statt des Mädchens noch eine erwachsene Frau in den Trümmern befinden. Bisher wurden dort aus den Trümmern der Schule nach neuen Angaben 19 tote Kinder und sechs tote Erwachsene geborgen, elf Personen konnten lebend gerettet werden.

In Mexiko hatten TV-Sender rund um die Uhr berichtet, Rettungskräfte und Marinesoldaten wurden interviewt. Immer wieder war bei Helfern von dem angeblich zwölf Jahre alten Mädchen die Rede. Die Geschichte verselbstständigte sich. 'Frida Sofía' wurde zum Symbol der Hoffnung, über zwei Tage nach dem Beben noch Überlebende in den Trümmerbergen zu finden. Helfer wollten Stimmen gehört haben, das Mädchen sei in einem Hohlraum eingeschlossen. Zudem war die Rede davon, dass dort noch fünf weiter Kinder mit eingeschlossen sein könnten.

Wut auf Präsident: "Frida Sofia war eine Erfindung Pena Nietos"

Ein Mitarbeiter der Rettungskräfte versucht am 21.09.2017 in Mexiko-Stadt (Mexiko) die Lebenszeichen einer Person, die unter den Trümmern eines Hause begraben liegt. Nach dem schweren Erdbeben mit bisher rund 250 Toten rennt den Helfern in Mexiko die
Ein Helfer hofft nach dem Erdbeben in Mexiko verzweifelt auf ein Lebenszeichen aus den Trümmern.
© dpa, Eduardo Verdugo, lkn

Bildungsminister Aurelio Nuño rief die Eltern auf, sich zu melden, weil niemand eine 'Frida Sofía' vermisste. Der TV-Sender Televisa, der live berichtete hatte, bat um Entschuldigung. "Die Informationen, die wir veröffentlicht haben, basierten auf den offiziellen Quellen." Auch für Staatspräsident Enrique Pena Nieto, dessen Politik nur noch von rund 20 Prozent der Bürger gutgeheißen wird, ist der Fall unangenehm. Statt einer heldenhaften Rettung und eines großen politischen Erfolgs auch für den Präsidenten werden nun Fragen laut, wer für die «Phantomgeschichte» verantwortlich ist. "Frida Sofia war eine Erfindung Pena Nietos", meinten Nutzer in sozialen Netzwerken.

Nach Einschätzungen erfahrener Rettungskräfte können Menschen je nach Beschaffenheit von Hohlräumen bis zu 72 Stunden in Trümmern überleben, diese Spanne läuft im Laufe des Freitags ab. In Mexiko-Stadt konnten bisher 50 Personen lebend aus Trümmern geborgen werden. Das Erdbeben der Stärke 7,1 hatte am Dienstag um 13.14 Uhr Ortszeit besonders Mexiko-Staat und die Bundesstaaten Morelos und Puebla getroffen, hunderte Gebäude sind beschädigt worden.

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Nach Erdbeben in Mexiko: Helfer mit erhobener Faust, das Zeichen an alle Menschen an einer Hausruine, absolut still zu sein
© dpa, Rebecca Blackwell, flm

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit - aber auch ein eindrucksvolles Beispiel gelebter Solidarität. Zehntausende Mexikaner packen mit an, helfen beim Wegkarren von Schuttbergen, spenden Kleidung, Essen, Medikamente und Trinkwasser. Zum Symbol wurde die erhobene Faust von Rettern - ein Zeichen an alle Menschen an einer Hausruine, absolut still zu sein - kein mögliches Klopfzeichen soll überhört werden. Das Beben hatte sich genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985 ereignet. Damals starben nach Schätzungen bis zu 10.000 Menschen. Dass es dieses Mal weniger Opfer gab, hängt auch mit deutlich verschärften Bauvorschriften gerade für Hochhäuser zusammen, die besser auf mögliche Erschütterungen und Schwankungen ausgerichtet werden müssen.