Eine Krankenschwester schöpfte Verdacht

Er machte einen Fehler - und flog auf! Falscher Arzt in hessischer Klinik erwischt

© dpa, Rolf Vennenbernd, ve jhe fux fie fdt

11. Januar 2019 - 23:03 Uhr

Krankenschwester der Asklepios-Klinik in Melsungen wurde misstrauisch

Ein 38 Jahre alter Mann hat sich in einer Klinik im hessischen Melsungen als Arzt ausgegeben und kurzzeitig dort praktiziert. Jetzt sitzt er in U-Haft. Es war aber nicht das erste Mal, dass er sich als Arzt ausgegeben hatte.

Letztendlich fehlte ihm die Fachkenntnis

Fünf Bereitschaftsdienste hatte der Hochstapler bereits absolviert, als ihn seine medizinische Unwissenheit im Juni 2018 enttarnte. Wegen seiner Inkompetenz sei er letztendlich aufgeflogen, sagte Gunther Claus, ärztlicher Leiter im Melsunger Asklepios Klinikum. Der 38-Jährige sollte eine Blutkonserve vorbereiten. Weil er sich aber nicht an das standardisierte Verfahren hielt, schöpfte eine Krankenschwester Verdacht.

Das Krankenhaus im Schwalm-Eder-Kreis entließ den Betrüger sofort und erstattete Anzeige. Es stellte sich heraus: Der Mann war schon wegen ähnlichen Vergehen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Weil das Urteil aber noch nicht rechtskräftig war, wurde er gegen Auflagen freigelassen.

Wie konnte er das Krankenhaus so täuschen?

Der 38-Jährige hatte sich laut Klinik mit gefälschten Unterlagen beworben, nachdem er aus einer Untersuchungshaft entlassen worden war. Das kleine Krankenhaus wusste davon nichts und stellte den Mann für Bereitschaftsdienste im Sommer als Aushilfe an. 

Er habe eine vollständige Bewerbung abgegeben, inklusive Approbations- und Facharzturkunde mit den entsprechenden Stempeln, sagte Klinikmanager Fabian Mäser dem "Hessischen Rundfunk". Dass die Unterlagen wohl gefälscht waren, blieb in der Klinik zunächst unbemerkt. Der Mann hatte sich online auf die Stelle als Bereitschaftsarzt beworben, die Originale reichte er nicht ein. Die Stelle hätte akut besetzt werden müssen, erklärte Mäser.

Der Mann wurde bereits zu zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt

Laut Staatsanwaltschaft Kassel sitzt der Mann wieder in Untersuchungshaft. Es sei nicht sein erster Versuch gewesen, Arzt zu sein. Er hatte sich zuvor bei mehreren Kliniken beworben und war zur Probe angestellt worden. Auch dort flog er auf. Deshalb und wegen weiterer Vergehen war er zuletzt zu der Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden.

Weil er sich gegen das Urteil wehrt, ist es weiter nicht rechtskräftig. Nun liegt ein zweiter Haftbefehl wegen Urkundenfälschung und Betrugs vor. In Untersuchungshaft sitze der Mann noch wegen des ersten Haftbefehls, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft