Iranischer Todesrichter Schahrudi wird in Hannover behandelt – er ließ unzählige Menschen hinrichten

Von 1999 bis 2009 soll Mahmud Haschemi Schahrudi im Iran als Oberster Richter  2.000 Menschen zum Tode verurteilt haben (Archivbild).
Von 1999 bis 2009 soll Mahmud Haschemi Schahrudi im Iran als Oberster Richter 2.000 Menschen zum Tode verurteilt haben (Archivbild).
© deutsche presse agentur, epa Taherkenareh

08. Januar 2018 - 13:43 Uhr

Mahmud Haschemi Schahrudi ist ein enger Vertrauter des iranischen Regimes

Im Iran ist Mahmud Haschemi Schahrudi berühmt-berüchtigt. Als Oberster Richter verhängte er zwischen 1999 und 2009 zahlreiche Todesurteile, darunter auch gegen Minderjährige. Im Moment befindet sich der 69-Jährige in Deutschland. In Hannover lässt er einen Hirntumor behandeln. Schahrudi gilt als enger Vertrauter des Obersten Religionsführers Ali Khamenei, gegen den die Menschen im Iran zurzeit auf die Straße gehen.

Schahrudis Arzt Madjid Samii hat fragwürdige Beziehungen

International Neuroscience Institute (INI) in Hannover
Die neurochirurgische Privatklinik International Neuroscience Institute (INI), hat Beziehungen in den Iran.
© deutsche presse agentur, Peter Steffen

In einer hannoverschen Privatklink liegt aktuell ein Mann, der in seinem Heimatland laut 'Amnesty International' 2.000 Menschen zum Tode verurteilt hat, darunter auch Kinder: Mahmud Haschemi Schahrudi war zehn Jahre lang als iranischer Justizchef mit harter Hand bekannt, systematische Folter und Erniedrigungen in den iranischen Haftanstalten soll er toleriert haben.

Im International Neuroscience Institute (INI) Hannover lässt Schahrudi einen Hirntumor behandeln, berichten 'Hannoversche Allgemeine Zeitung' (HAZ) und 'Bild'. Die Privatklink hat Verbindungen in den Iran, der iranischen Neurochirurg Madjid Samii hat das INI gegründet. Der Arzt behandelte 2005 den usbekischen Innenminister Sakir Almatov, dem ebenfalls schlimmste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Ein enger Freund von Samii war außerdem der iranische Ex-Präsident und Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad.

Proteste erreichen SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil

Dass sich ein enger Vertrauter des iranischen Regimes in Deutschland behandeln lässt, sorgt für Empörung. Die HAZ berichtet von einem offenen Protestbrief an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). An Schahrudis Händen "klebe das das Blut vieler Iraner", er müsse wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und verurteilt" werden, zitiert die Zeitung. Das niedersächsische Justizministerium hat die Anschuldigungen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat Schahrudi wegen Mordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt. "Wir dürfen kein Sanatorium für Menschenrechtsverbrecher sein, sondern müssen sie zur Verantwortung ziehen", betonte Beck in der 'Bild'. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte von der Bundesregierung eine Stellungnahme.