Nach dem Football zur Chemotherapie

Er besiegte den Krebs vier Mal - und verwirklichte danach seinen Traum

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21. Oktober 2019 - 9:42 Uhr

Die Chancen standen nie besonders gut

Casey O'Brien hatte schon als Kind davon geträumt, Footballspieler zu werden. Im Interview mit dem US-Sender ESPN erzählte er, dass Sport schon immer ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen sei. Dieser Teil drohte wegzubrechen, als er mit 13 Jahren die Diagnose Knochenkrebs erhielt. Doch Casey O'Brien (rechts im Bild) gab nicht auf und kämpfte weiter ...

Diagnose: Osteosarkom, oder einfach gesagt: Knochenkrebs. Als Casey O'Brien im Dezember 2013 die Nachricht erhielt, standen die Chancen nicht gut. Es handelte sich um eine besonders aggressive Krebs-Form. Für den damals 13-jährigen sportverrückten Junge aus Saint Paul, Minnesota, kam es gar nicht in Frage aufzugeben. Er wollte seinen Traum, Football-Spieler zu werden, leben. Und so nahm er den Kampf auf - und besiegte den Krebs. Die Ärzte entfernten einen rund 12 cm großen Tumor aus seinem Knie, dazu kämpfte er sich durch neun Monate Chemotherapie. Er schien sich zu erholen.

Doch der Krebs kam zurück.

"Football hat ihn am Leben gehalten"

Im Januar 2015 ereilte ihn die Nachricht: Der Krebs ist zurück. Diesmal war die Lunge befallen. Seine Chancen standen wieder schlecht. Aufgeben war wieder keine Option. "Ich werde den Krebs bekämpfen und mir mein Leben zurückholen", habe er sich damals gesagt.

Wieder muss er zur Chemo. "Wir hatten das erste Spiel der Season, ich war Holder. Nach dem Spiel musste ich am nächsten Morgen ins Krankenhaus zur Chemotherapie", erzählt er. Sein Vater Dan O'Brien sagt gegenüber ESPN: "Der Football hat ihn am Leben gehalten."

Er besiegte den Krebs zum zweiten Mal. Zunächst.

"Ich bin hier, um zu spielen."

Der Krebs kam zurück. Wieder hatte er die Lungen befallen. Und wieder musste Casey unters Messer. Zum dritten Mal kämpfte er und zum dritten Mal gewann er den Kampf.

Daraufhin schloss er sich den Minnesota Gophers an. Er spielte auf der Position des Holders. Das heißt, er hält bei einem Kick den Football aufrecht für den Mitspieler, der den Ball zwischen die Pfosten schießen soll. Ungeachtet seiner Krankheitsgeschichte machte Casey O'Brien seinem neuen Coach P.J. Fleck damals schon eine Ansage, wie der heute 20-Jährige erzählt: "Ich habe zum Coach gesagt: Ich bin nicht hier, um an der Seite zu sitzen. Ich bin hier, um zu spielen."

Genauso unnachgiebig wie er es im Football ist, war auch der Krebs. Zum vierten Mal musste er sich der tödlichen Erkrankung stellen. Wie beim ersten Mal war es Knochenkrebs. Mit fast schon unmenschlicher Kraft besiegte Casey den Krebs zum vierten (!) Mal.

Auf die Frage, wie oft sich Casey es sich vorgestellt habe, auf dem Platz zu stehen, entgegnete er: "Jede Nacht. Ich habe es mir in meinem Kopf Tausend Mal ausgemalt."

Und dann war sein Moment gekommen. Beim Spiel gegen die Rutgers Scarlet Knights am vergangenen Samstag gab er sein Debüt. Ursprünglich als Holder Nummer drei geplant, schickte ihn der Coach auf den Platz.

O'Brien hat es geschafft - er steht auf dem Feld als Holder
O'Brien hat es geschafft - er steht auf dem Feld als Holder
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Der Schuss war ein Treffer. Die Teamkollegen feierten nicht den Schützen, sondern rannten zu Casey. Und er? Er lief danach zu seinem Coach, um ihm zu danken.

Vier Mal Krebs, vier Mal gewonnen. Casey O'Brien zeigt, dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte.