Frühstart spezial mit Prof. Timo Ulrichs

Epidemiologe zu Corona-Maßnahmen: Mit den Lockerungen ist es wie in der Pubertät

07. Mai 2020 - 16:28 Uhr

Zu viele Lockerungsmaßnahmen auf einmal

Ein Gläschen Wein beim Lieblingsitaliener, ein Besuch der Mutter im Altenheim oder ein Ausflug mit den Kindern in den Zoo - all das ist unter strengen Hygieneregeln nun wieder möglich. Die umfangreichen Lockerungsmaßenahmen der Bundesregierung sind für viele Deutsche erfreulich, Epidemiologe Timo Ulrichs übt hingegen Kritik. "Dass man jetzt vorprescht und alle Maßnahmen auf einmal macht, statt es abgestuft langsam angehen zu lassen, das ist ein bisschen viel und das ist auch insgesamt gefährlich.", sagt er im Gespräch mit RTL-Reporterin Nina Lammers. Seine Einschätzung für die einzelnen Bundesländer und zur Obergrenze für Neuinfektionen - im Video.

"Geht man zu weit, sorgt Mutti dafür, dass die Grenzen enger gezogen werden"

Ulrichs befürwortet zwar die Entscheidungen, jetzt zu lockern, allerdings ist er für stufenweise Veränderungen. Nur so habe man noch die Kontrolle über das Virus. "Wenn ich dann nämlich zurückrudern muss, dann weiß ich ja gar nicht, welche dieser getroffenen Lockerungen ich jetzt wieder zurückschrauben soll und dann müsste ich möglicherweise alle wieder zurücknehmen", betont er im Interview und vergleicht die Lockerungen mit der Pubertät.

"Man testet aus, wie weit man gehen kann im Rahmen des Möglichen. Geht man zu weit (Überschreiten der Obergrenze), sorgt Mutti dafür, dass die Grenzen wieder enger gezogen werden (erneute Lockdown-Maßnahmen)." Bund und Länder verständigten sich am Mittwoch darauf, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern wieder Verschärfungen der Maßnahmen stattfinden müssen.

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Audio Now: Frühstart spezial im Podcast

Das gesamte Interview mit Prof. Timo Ulrichs können Sie auch im Podcast bei Audio Now anhören.

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