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Epidemie in Pakistan: Wird Typhus bald unheilbar?

Epidemie in Pakistan: Wird Typhus bald unheilbar?

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Immer mehr Erreger sind gegen die Typhus-Impfungen resistent.
zi_cu_htf gr fpt fux, dpa, Ralf Hirschberger

Hartnäckiger Typhus-Stamm ist resistent gegen Antibiotika

Experten sind alarmiert: In Pakistan haben sich seit 2016 etwa 850 Menschen mit einem besonders hartnäckigen Typhus -Keim infiziert. Sorge macht den Forschern, dass der Stamm gegen fünf Arten von Antibiotika resistent ist. In Großbritannien ist ein Patient an der Typhus-Infektion gestorben, er war zuvor aus Pakistan zurückgekehrt. Eine weitere genetische Mutation des Keims könnte einen weltweiten Anstieg der Typhus-Fälle zur Folge haben.

"Der gruselige Teil ist, dass wir keine Optionen mehr haben“

Die Einschätzung der Forscher aus Pakistan ist alarmierend. "Es geht nicht nur um Typhus", erklärte Rumina Hasan, Pathologin an der Aga Khan Universität in Pakistan der 'New York Times'. „Antibiotikaresistenz ist eine Bedrohung für die gesamte moderne Medizin und der gruselige Teil ist, dass wir keine Optionen mehr haben.“ Aktuell bleibt den Experten nur das Antibiotikum Azithromycin um die Betroffenen zu behandeln. Es sei nicht auszuschließen, dass die Keime mit der Zeit auch gegen Azithromycin eine Resistenz entwickeln. Dann wäre Typhus in einigen Teilen der Welt nicht mehr heilbar.

Rückfall in die präantibiotische Ära droht

Besonders die mangelnde Hygiene, hervorgerufen durch fehlende Sanitäranlagen, sorgt in Entwicklungsländern für die Verbreitung von Typhus. Die bakterielle Infektionskrankheit wird durch Salmonellen hervorgerufen, menschliche Ausscheidungen sind Träger des Erregers. Pakistanische Forscher hoffen auf flächendeckende Impfkampagnen und die Einrichtung moderner Sanitärsysteme, um die Epidemie einzudämmen. Ansonsten drohe ein Rückfall in die präantibiotische Ära - Typhus würde dann wieder weitaus mehr Todesopfer fordern. Rund 20 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an Typhus. Für 161.000 Betroffene verläuft die Infektion laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) tödlich. Die antibiotische Behandlung von Typhus wurde im Jahr 1948 entdeckt. Die Todesrate der Infektion lag bis zu diesem Zeitpunkt bei einem Viertel.

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Typhus-Impfkampagne für 250.000 Kinder

Dass Typhus neuerdings eine so hohe Medikamenten-Resistenz entwickelt, ist ungewöhnlich. Bis zum Auftreten des neuartigen Keims in Pakistan habe es nur vier ähnliche, isolierte Fälle gegeben. Das erklärte Elizabeth Klemm, Genetikerin für Infektionskrankheiten am Wellcome Sanger Institute in England gegenüber der 'New York Times'. Wie rasend schnell die Erreger eine Antibiotikaresistenz entwickeln können, zeigt der Fall von Karachi. In der Hauptstadt der Provinz Sindh, steigt die Antibiotikaresistenz laut WHO jedes Jahr um 30 Prozent. Bis 2020 könnten dort alle Typhusfälle gegen mehrere Medikamente resistent sein. Experten werben deshalb für mehr Präventionsmaßnahmen; so soll es eine Impfkampagne für 250.000 Kindern geben.