Entwicklungsminister Niebel will Pferdefleisch an Arme verteilen

Entwicklungsminister Niebel stützt Vorschlag

Bis jetzt kannten nur wenige den CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer. Seit seinem Vorstoß in Sachen Pferdefleisch ist er jedoch in aller Munde. Für die Idee, aus den Geschäften genommene Produkte mit Pferdefleisch-Anteilen an Bedürftige zu verteilen statt sie zu vernichten, bekommt er allerdings überwiegend scharfe Kritik.

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Entwicklungsminister Niebel (FDP) stützt den viel kritisierten Vorschlag von Fischer. Der hatte angeregt, aus den Geschäften genommene Produkte mit Pferdefleisch-Anteilen an Bedürftige zu verteilen statt sie zu vernichten.
dpa, Uli Deck

Fischer hatte angeregt, aus den Läden genommene Produkte wie Lasagne mit undeklarierten Pferdefleisch-Anteilen nicht voreilig zu vernichten. Er schlug vor, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterstützte diesen Vorschlag: "Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel. Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen", sagte er der 'Bild'-Zeitung. Auch die Evangelische Kirche (EKD) warnt vor voreiliger Vernichtung der Pferde-Lasagne. Prälat Bernhard Felmberg: "Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko genießbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel."

Strikt gegen Fischers Vorschlag sind Sozialverbände und Tafeln. "Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Gerd Häuser. Es sei entwürdigend, wenn Produkte, die die Mehrzahl der Verbraucher ablehne, als gut genug für die Armen eingestuft würden. "Wenn die Menschen in Deutschland das nicht essen wollen, weil sie völlig verunsichert sind, was da überhaupt drin ist, oder wenn sie es auch nur eklig finden, dann kann man das jetzt nicht Hartz-IV-Beziehern andrehen", pflichtete Ulrich Schneider bei. Er ist der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

In fast 70 Fällen Pferdefleisch nachgewiesen

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer kritisierte, Tafeln seien keine "Resterampe der Republik". "Nie im Leben wäre Herr Fischer auf die Idee gekommen, die Pferdefleischprodukte für die Verwendung zum Beispiel im Abgeordnetenrestaurant des Bundestages oder auf dem CDU-Bundesparteitag zu empfehlen." Karin Binder (Linke) warnte: "Arme Menschen dürfen nicht zum Müllschlucker der Nation gemacht werden."

Kritik kam auch von der katholischen Kirche. "Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten", sagte der Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, in der 'Bild'-Zeitung.

Das Bundesverbraucherministerium sieht eine Verteilung aus dem Verkauf genommener Pferdefleisch-Produkte kritisch. "Verkauft oder verschenkt werden dürfen nur Lebensmittel, die von einwandfreier Qualität und Herkunft sowie korrekt gekennzeichnet sind", erklärte ein Sprecher. Es reiche nicht, Produkte neu zu etikettieren. Unternehmen müssten auch dafür sorgen, dass der Inhalt einwandfrei und nachweislich frei von Rückständen sei. Zudem müsse lückenlos geklärt sein, woher alle Zutaten stammen. Daher sähen die Tafeln und andere Organisationen eine Weitergabe in diesem konkreten Fall zu Recht sehr kritisch.

Der CDU-Entwicklungspolitiker verteidigte seinen Vorschlag. "Wenn Sie so wie ich in Afrika ständig Menschen sterben sehen, dann haben Sie ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln", sagte Fischer. Er wolle nicht, dass diese Produkte vernichtet würden - stattdessen sollten sie lieber von Menschen gegessen werden.

Indes entdecken die deutschen Behörden in immer mehr Lebensmitteln undeklariertes Pferdefleisch. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums sei bisher in 67 Fällen Pferdefleisch in falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen worden. An der Spitze bei den positiven Labortests steht demnach Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder sind Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Die Tests der Länderbehörden dauerten weiter an. Ministeriumssprecher Holger Eichele sagte der 'Bild', dass bisher bei keiner Analyse das für Menschen gesundheitsschädliche Pferde-Medikament Phenylbutazon nachgewiesen worden sei.